Kein Anschlag aus Rache

Fünf tschechische Soldaten wurden in der Nacht auf Donnerstag bei einem Anschlag in Afghanistan verletzt. In Tschechien wird nun über die Hintergründe diskutiert, denn es könnte sich um Rache handeln.

Aleš Opata und Lubomír Metnar (Foto: ČTK / Vít Šimánek)Aleš Opata und Lubomír Metnar (Foto: ČTK / Vít Šimánek) Es ist der zweite schwere Anschlag gegen tschechische Soldaten in Afghanistan innerhalb von drei Monaten. Am Mittwoch kontrollierte eine Patrouille nahe dem Luftwaffenstützpunkt Bagram ein Fahrzeug. Dieses war jedoch voll beladen mit Sprengstoff und ging hoch. Verteidigungsminister Lubomír Metnar bestätigte das Attentat am Mittwoch auf Twitter, Zitat:

„Fünf unserer Soldaten wurden heute in Afghanistan verletzt. Ich bin mir sicher, dass sie bestmöglich versorgt werden, und ich wünsche ihnen, dass sie schnell wieder gesund werden. Wir sind in Gedanken bei ihnen und ihren Familien. Den Soldaten danke ich für ihren Mut und ihre Entschlossenheit im Dienst.“

Martin Pejšek ist Sprecher des Verteidigungsministeriums in Prag und erklärt, wie schwer die Verletzungen der Männer sind:

Foto: Archiv der tschechischen ArmeeFoto: Archiv der tschechischen Armee „Drei Soldaten wurden leicht verletzt, sie sind schon zurück bei ihrer Einheit. Ein weiterer Soldat mit leichten Verletzungen steht noch unter Beobachtung im Krankenhaus. Ein Soldat hat bei dem Anschlag schwere Verletzungen abbekommen und muss mehrfach operiert werden.“

Laut Angaben des Militärs ist der Mann jedoch bereits außer Lebensgefahr. Welche Folgen seine Verletzung langfristig haben wird, das ist jedoch weiterhin unklar. Er muss nämlich an der Wirbelsäule operiert werden. Brigadegeneral Štefan Muránský leitet das Koordinationszentrum für Auslandseinsätze beim Verteidigungsministerium. Ihm zufolge handelt es sich um einen besonders heimtückischen Anschlag:

Štefan Muránský (Foto: Archiv der tschechischen Armee)Štefan Muránský (Foto: Archiv der tschechischen Armee) „Die Sicherheitsvorkehrungen in Afghanistan sind sehr streng. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem US-Kommando sorgt für ein hohes Maß an Sicherheit. Ich muss erwähnen, dass dies kein alltäglicher Angriff auf die Truppen war. In den vergangenen zwei Jahren gab es nur 35 Anschläge mit Autosprengsätzen auf die Truppen der Allianz. Tschechische Soldaten waren überhaupt das erste Mal von so einem Attentat dieser Art betroffen.“

Insgesamt sind bisher 13 tschechische Soldaten in Afghanistan getötet worden. Der letzte große Anschlag auf tschechische Soldaten in Afghanistan ereignete sich Anfang August. Dabei kamen drei Offiziere ums Leben. Erst gestern sickerte die Nachricht durch, dass einer der Drahtzieher der Attacke von einer tschechischen Spezialeinheit getötet worden ist. Auch deshalb diskutiert man in Tschechien, ob der jüngste Angriff nicht ein Racheakt gewesen sein könnte. General Muranský geht nicht davon aus:

„Wir haben keine Indizien dafür, dass es sich um einen Racheanschlag handelt. Es war ganz einfach ein Angriff auf die Koalitionstruppen in Afghanistan. Genauso gut hätte es US-Soldaten, Einheiten aus Georgien oder sonstiges Personal des Stützpunktes in Bagram treffen können. “

Dies wurde am Donnerstag so auch vom Verteidigungsministerium und der Armeeleitung bestätigt. Dennoch fordert Premier Andrej Babiš Aufklärung darüber, wie Einzelheiten zu der geheimen Operation öffentlich werden konnten:

Foto: Archiv der tschechischen ArmeeFoto: Archiv der tschechischen Armee „Es ist nicht hinnehmbar, dass Informationen zu Sicherheitsfragen, die unsere Soldaten gefährden könnten, auf irgendeine Weise in die Medien kommen.“

Tatsächlich hat Verteidigungsminister Metnar eine Untersuchung in dieser Angelegenheit eingeleitet.

Bereits nach dem tödlichen Attentat im August sollten tschechische Soldaten bei Nato-Aktionen in Afghanistan nicht mehr an vorderster Front stehen. Wird man nun also noch vorsichtiger? Vorerst bleibe alles beim Alten, bekräftigt Generalstabschef Aleš Opata:

„Die Einsätze unserer Soldaten gehen wie bisher weiter. Der Fall wird natürlich untersucht, genauso wie die Effektivität des bisherigen Vorgehens. Insgesamt laufen die Operationen aber weiter.“