Kampf gegen Dürre: Experten fordern Nachhaltigkeit

Seit mehreren Jahren bereits leidet Tschechien unter relativer Trockenheit. Die Regierung in Prag hat deswegen eine Kommission eingesetzt, um die Folgen der Dürre zu bewältigen. Aufgrund ihrer Empfehlungen planen die zuständigen Minister nun konkrete Maßnahmen. Nicht alle treffen jedoch bei den Experten auf Zustimmung.

Foto: Gerhard Gellinger, Pixabay / CC0Foto: Gerhard Gellinger, Pixabay / CC0

Miroslav Toman (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Miroslav Toman (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) In Mittelmähren, Südböhmen und Mittelböhmen sind die Probleme derzeit am größten. In diesen Gegenden sind die Böden ziemlich ausgetrocknet. Manche Gemeinden mussten selbst im Winter noch aus Zisternen versorgt werden. Ein Großteil der Vorhaben soll daher die Wasserversorgungssysteme besser miteinander verbinden. Die Maßnahmen wurden am Dienstag vorgestellt.

„Geplant sind beispielsweise eine Verbindungsleitung von Prag nach Kladno und eine Erhöhung der Kapazitäten des Leitungssystems in Ostböhmen. Das betrifft mehr als drei Millionen Einwohner“, so Landwirtschaftsminister Miroslav Toman (Sozialdemokraten).

In den kommenden zehn Jahren will der tschechische Staat viel Geld in die Hand nehmen für den Kampf gegen die Trockenheit: insgesamt 50 Milliarden Kronen (fast zwei Milliarden Euro). Die Hälfte davon soll gerade in den Ausbau von Wasserleitungen fließen.

Foto: 947051, Pixabay / CC0Foto: 947051, Pixabay / CC0 Weitere Gelder sollen bereitgestellt werden, um Brunnen tiefer zu bohren. Das jedoch halten einige Wissenschaftler für gefährlich. Denn gerade beim Grundwasser wiegen die Folgen der Trockenheit am schwersten. Bohumír Jánský ist Geograph und Hydrologe an der Prager Karlsuniversität:

„Wir müssen uns auf die Oberflächengewässer konzentrieren. Hier in Tschechien fehlt es an Grundwasser, und die Vorkommen schwinden weiter. Bei 80 Prozent der Brunnen herrscht derzeit starke bis sehr starke Trockenheit, und die Lage ist deutlich schlimmer als im April vergangenen Jahres.“

Deswegen müssten die Gemeinden an die bestehende Wasserversorgung angebunden werden und nicht eigene Brunnen erhalten, so Jánský.

Bodenerosion (Foto: Slimejs, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5)Bodenerosion (Foto: Slimejs, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5) Weitere Maßnahmen sollen die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verbessern. So möchte das Landwirtschaftsministerium zum Beispiel die Zuckerrübenbauern durch Fördermittel dazu bringen, schonendere Methoden anzuwenden. Ein weiteres Programm zielt gegen die Bodenerosion. Landwirte sollen wegkommen von großflächigen Feldern und stattdessen grüne Begrenzungen anlegen:

„Dieses Programm kombiniert die Bewirtschaftung von Ackerflächen damit, dass Waldbäume und Obstbäume gepflanzt werden“, so Toman.

Gerade solche Vorhaben halten Experten für die wichtigsten. Denn dadurch werden nicht nur die Folgen der Trockenheit, sondern auch die Ursachen bekämpft. In diesem Sinn äußerte sich auch der Ökologe Bedřich Moldan im Tschechischen Fernsehen. Er ist Gründer des Zentrums für Umweltfragen an der Prager Karlsuniversität:

„Grundlegend sollten Maßnahmen sein, die dem Boden helfen, möglichst viel Wasser aufzunehmen und zu halten. Was geplant wird, sind aber eher nachfolgende Dinge. Auch wenn sie durchaus Sinn ergeben, sind sie vergleichsweise teuer. Man sollte immer erwägen, ob man die Wasserwirtschaft nicht auch auf eine Art verbessern kann, die einfacher und naturnäher ist.“

Bohumír Janský (Foto: Jindřich Nosek, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Bohumír Janský (Foto: Jindřich Nosek, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) Das sieht auch der Hydrologe Jánský so. Er fordert in diesem Zusammenhang, die europäische Förderpolitik zu ändern – etwas, das Premier Andrej Babiš (Partei Ano) vehement ablehnt. Laut Jánský sollte nicht mehr die Fläche, sondern die Nachhaltigkeit bei der Bewirtschaftung zum Kriterium gemacht werden:

„Das heißt, die großen Agrarbetriebe, die Kunstdünger verwenden, tiefe Pflüge nutzen, ihre großen Ackerflächen nicht parzellieren, keine Versickerungsgräben oder Rückhalteteiche in den Senken anlegen, sollten nicht gefördert werden. Stattdessen jene Landwirte, die diese Maßnahmen umsetzen. Es reicht aber nicht, dies abzusegnen und dann die Augen zuzudrücken, wie es in diesem Land häufig geschieht. Regelmäßige Kontrollen sind nötig und Strafen, falls jemand die Auflagen nicht einhält.“

2014 hat die Trockenperiode hier in Tschechien begonnen. Mit jedem Jahr sind die Folgen stärker zu spüren. Während sich die Oberflächengewässer in einem regnerischen Monat wieder füllen können, ist beim Grundwasser der Rückgang kontinuierlich.