Joseph Weizenbaum erhält diesjährigen Preis der Dagmar- und Vaclav Havel-Stiftung

07-10-2002

Professor Joseph Weizenbaum - so heißt der diesjährige Preisträger der Stiftung von Dagmar und Vaclav Havel. Der amerikanische Wissenschaftler deutschen Ursprungs zählt zu den Mitbegründern der ersten Computer, doch nicht allein dafür wurde er vom tschechischen Präsidentenehepaar ausgezeichnet. Silja Schultheis berichtet.

Professor Joseph Weizenbaum (li.), Foto: CTKProfessor Joseph Weizenbaum (li.), Foto: CTK "Es gibt andere Preise, aber dieser Preis ist mir ganz besonders wichtig, weil er eben sehr wenig mit dem Computer zu tun hat. Also, es geht nicht darum, dass ich ein besonders guter Ingenieur bin, sondern - jedenfalls wird das gesagt oder gedacht - dass ich den Preis deshalb verdiene, weil ich ein guter Mensch bin. Und das freut mich sehr, das ist mir sehr wichtig."

Professor Joseph Weizenbaum bei der Entgegennahme des Preises der Dagmar und Vaclav Havel-Stiftung "Vision 97" am vergangenen Wochenende. Weizenbaum, der der Computertechnik entscheidende Impulse geliefert hat, ist sich zugleich klar über die Grenzen der Wissenschaft bewusst. Man könne, wo warnt der Professor, Computern zwar Fragen anvertrauen, die mit Intelligenz zu tun haben, nicht aber solche, bei denen es um grundlegende menschliche Eigenschaften wie Glaube, Liebe und Hoffnung gehe. Als maßgeblicher Wissenschaftler und Skeptiker zugleich erfüllt Weizenbaum die entscheidenden Kriterien der Stiftung "Vision 97". Denn diese wolle, so erinnerte Präsident Havel in seiner Ansprache, durch die jährliche Preisverleihung nach vorne gerichtetes Denken unterstützen, das das eigene Spezialgebiet und den gegenwärtig aktuellen Horizont überschreite, und oftmals erst längerfristig ins Zentrum des allgemeinen Bewusstseins vordringe:

"Wir wollen mit diesem Preis denjenigen gegenüber unsere Wertschätzung ausdrücken, die sich nicht blind und taub vom Lauf der modernen Zivilisation mitreißen lassen, sondern die gleichzeitig als ihr Bestandteil und Mitschöpfer in kritischer Reflexion auf deren Grenzen aufmerksam machen und die Menschheit darauf hinweisen."

Mit Professor Joseph Weizenbaum hat die Dagmar und Vaclav Havel-Stiftung bereits ihren vierten Laureaten. Preisträger der vergangenen Jahre waren der in den USA lebende österreichische Neurochirurg Karl Pribram, der italienische Schriftsteller und Literaturkritiker Umberto Eco und der tschechische Philosoph und Biologe Zdenek Neubauer.

Die Preisverleihung erfolgt traditionell am 5. Oktober, dem Geburtstag von Präsident Vaclav Havel.

07-10-2002