Inspiration: Schwedische Papas in Elternzeit

Eine schwedische Fotoausstellung in Prag dokumentiert die Erfahrungen von Vätern, die mit ihrem Kind zu Hause geblieben sind.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Schwedische Väter, die mit ihrem Kind wenigstens sechs Monate lang zu Hause geblieben sind – darum geht es bei einer Fotoausstellung, die am Dienstag im Prager Kampa-Park eröffnet wurde.

25 großformatige Fotos von Vätern mit Kindern. Auf den Bildern sind schwedische Männer, die ihren Nachwuchs mindestens sechs Monate lang zu Hause betreut haben. In Schweden hätten Väter schon 1974 die Möglichkeit bekommen, in Elternzeit zu gehen, erzählt Martin Severýn. Er ist in der schwedischen Botschaft in Prag für Kultur- und Pressearbeit zuständig. Severýn erklärt, warum die Schau gerade im Kampa-Park gezeigt wird.

„Der Park wird vor allem am Wochenende von vielen tschechischen Familien besucht. Wir wollen, dass sie sich durch die Fotos inspirieren lassen. Wie ich erfahren habe, nutzt hierzulande nur etwa ein Prozent der Väter die Möglichkeit zur Elternzeit. Fotograf Johan Bövman wurde vor einigen Jahren durch eine Umfrage zu der Ausstellung angeregt. Kinder waren gefragt worden, wem sie am meisten vertrauen. An erster Stelle nannten sie ihre Mütter, dann die Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Omas, aber erst an sechster Stelle ihre Väter. Bövman suchte nach dem Grund und kam zum Schluss, dass das davon herrührt, dass Väter nicht so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen wie die Mütter. Er hat dann selbst die Elternzeit ausprobiert und glaubt, dass diese Zeit die Beziehung zu seinen Kindern maßgeblich gestärkt hat.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Dieselbe Erfahrung haben auch die Väter auf den Fotos gemacht. Zu jeder Fotografie gehört ein Zitat. So erzählte einer der Männer dem Fotografen, Zitat:

„Frauen sind wirkliche Kämpferinnen. Seitdem ich in Elternzeit bin, habe ich viel mehr Verständnis für meine Mutter. Ich dachte zuerst, dass die Elternzeit nur ein Spiel sei. Aber jetzt merke ich, wie viel Arbeit und Frustration sie mit sich bringt. Gleichzeitig bereitet sie mir aber auch viel Freude. Ich bin ein schwedischer Moslem und lebe in einer ethnisch bunten Gegend. In meiner Umgebung kenne ich nur wenige Väter, die mit dem Kind zu Hause sind.“

Der renommierte schwedische Fotograf Johan Bävman hat die Väter mit ihren Kindern bei verschiedenen Situationen abgelichtet: beim Spiel, beim Essen oder beim Waschen. Er wollte wissen, was die Väter zur Elternzeit bewegt hat, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und wie sich ihr Verhältnis zu ihren Partnerinnen geändert hat. Martin Severýn.

Martin Severýn (Foto: Martina Schneibergová)Martin Severýn (Foto: Martina Schneibergová) „Wir möchten mit der Ausstellung eine Debatte in Tschechien anregen. Es würde uns interessieren, ob das Konzept der einige Monate dauernden Elternzeit für Väter auch für Tschechen interessant sein könnte.“

In Tschechien sind seit 2001 die Arbeitgeber verpflichtet, auch männlichen Beschäftigten die Elternzeit zu ermöglichen. Zuvor galt dies nur für Frauen auf Mutterschaftsurlaub.

Die Ausstellung mit dem Titel „Schwedische Papas“ ist im Kampa-Park in Prag zu sehen, und zwar noch bis 18. September. Anschließend wird sie in Pardubice, Ostrava / Ostrau, Zlín und weiteren Städte gezeigt.