In Tschechien fehlen 300.000 Handwerker

15-05-2019

Langes Warten und hohe Preise. Das sind die Folgen des akuten Handwerkermangels in Tschechien.

Foto: skeeze, Pixabay / CC0Foto: skeeze, Pixabay / CC0 Die Auftragsbücher der Bauunternehmen in Tschechien sind übervoll. Die Preise für ihre Arbeit sind in den zwei letzten Jahren um ein Drittel gestiegen. Doch die Firmen werden der enormen Nachfrage nicht mehr gerecht, denn überall fehlt es an Fachkräften. Wartezeiten bis ins Jahr 2021 sind schon längst keine Seltenheit mehr. Auch dem Bauunternehmen von Jiří Luběník fehlen qualifizierte Maurer und Zimmerer:

„Wenn wir diese Fachkräfte hätten, könnten wir doppelt so viele Aufträge annehmen. Leider müssen wir unsere Arbeit immer wieder einschränken.“

Den Mangel an Handwerkern bestätigt auch eine Umfrage des Verbands kleiner und mittlerer Unternehmen. In den Jahren 2008 bis 2015 hätten sich kaum noch Schulabgänger für praktische Berufe interessiert, heißt es. Am stärksten ist die Zahl neuer Lehrlinge in der Textilproduktion zurückgegangen, und zwar um 97 Prozent. Laut dem Webportal Nejřemeslníci.cz fehlen hierzulande aktuell 300.000 Fachkräfte. Der Vizepräsident der Wirtschaftskammer und Vorsitzende der Zunft der Fliesenleger, Roman Pommer, bestätigt die Angabe:

Roman Pommer (Foot: Archiv der Wirtschaftskammer)Roman Pommer (Foot: Archiv der Wirtschaftskammer) „Diese Zahl ist durchaus realistisch. Und es könnten in Zukunft noch mehr werden. Denn die älteren Fachkräfte gehen in Rente, während es gleichzeitig immer weniger Nachwuchs gibt.“

Der Grund, warum sich immer weniger junge Menschen für eine Lehre entscheiden würden, sei klar, sagt Pommer:

„In den 1990er Jahren galt ‚Handwerk‘ schon fast als Schimpfwort. Seitdem erlernt kaum noch einer der jungen Erwachsenen einen handwerklichen Beruf. Jede Mutter und jeder Vater in der Altersgruppe zwischen 35 und 40 Jahren sieht in seinem Kind einen Minister, einen Juristen und einen Menschen, der seinen Lebensunterhalt nicht mit den Händen bestreiten sollte.“

Der Vizevorsitzende der Wirtschaftskammer nennt aber Argumente, mit denen man junge Leute vom Handwerk überzeugen könnte:

„Zunächst muss sich das Image des Handwerks in der Gesellschaft ändern. Der Staat muss die jeweiligen Branchen stärker fördern. Außerdem muss den Eltern klar werden, dass ihr Sohn oder ihre Tochter in einem Handwerksberuf einmal gutes Geld verdienen kann.“

Das durchschnittliche Monatseinkommen hierzulande liegt bei umgerechnet 1200 Euro brutto. Laut Roman Pommer kann ein Fliesenleger hierzulande jedoch rund 3000 Euro im Monat verdienen.

15-05-2019