Im Dorf Nehvizdy wurde Landung der Heydrich-Attentäter vor 70 Jahren gedacht

In der Betrachtung auf die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs werden in Tschechien immer mehr Lücken geschlossen. Haben die Tschechen dem Kampf ihrer Soldaten in den ausländischen Armeen von jeher viel Stolz entgegengebracht, so ist der Widerstand vor Ort, im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren, dagegen noch immer nicht umfassend erforscht. Das hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Neuerlicher Beleg dafür ist eine Gedenkveranstaltung, die am Mittwoch in der mittelböhmischen Gemeinde Nehvizdy begangen wurde: Sie fand aus Anlass des 70. Jahrestages der Landung jener zwei Fallschirmspringer statt, die fünf Monate später das tödliche Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich in Prag verübten.

Reinhard Heydrich (links)Reinhard Heydrich (links) Ende September 1941 wurde SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich von Adolf Hitler zum stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren ernannt. Sein Ziel war, die „tschechische Frage“ endgültig zu lösen, wie sich die Nazis ausdrückten. Es begannen massenhafte Verhaftungen und Hinrichtungen aller, die in den Verdacht des Widerstands gerieten. Deshalb war ein Attentat auf Heydrich schon bald beschlossene Sache, bestätigt Militärhistoriker Michal Burian:

„Der Gedanke eines Attentats auf Heydrich entstand eigentlich schon unmittelbar nach dessen Eintreffen in Prag am 27. September 1941. Und dieser Gedanke kam aus dem engsten Umfeld von Präsident Edvard Beneš.“

Edvard Beneš war damals Chef der tschechoslowakischen Exilregierung in London. Von dort aus liefen auch die Vorbereitungen auf das Attentat, das symbolisch am 28. Oktober 1941 durchgeführt werden sollte. Dieser Versuch aber konnte nicht verwirklicht werden. Nach harter Ausbildung der tschechoslowakischen Soldaten in Großbritannien wurde aber schon im Dezember ein neuer Anlauf gestartet. Und auch der schien zunächst nicht von Erfolg gekrönt, weil die drei kleinen Fallschirmtrupps, die mit dem Bomber Halifax von der britischen Insel ins Protektorat eingeflogen wurden, erhebliche Probleme mit der Navigation hatten:

Michal BurianMichal Burian „Die Navigation war damals auf einem ganz anderen Niveau als heute, die Navigatoren haben sich seinerzeit vor allem an den Sternen orientiert. Zudem hatte es in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 1941 im Protektorat geschneit, so dass alle Orientierungspunkte auf der Erde unter einer dichten Schneedecke lagen. Von daher ist es schon ein Wunder, dass der Navigator des Flugzeugs das Landeziel Pilsen lediglich mit Prag verwechselt hat. Daher ist die Fallschirmtruppe Anthropoid nicht östlich von Pilsen, sondern östlich von Prag in Nehvizdy gelandet“, sagte Oberst Michal Burian.

Jan Kubiš und Jozef GabčíkJan Kubiš und Jozef Gabčík Den Fallschirmtrupp Anthropoid bildeten die beiden Feldwebel Jozef Gabčík und Jan Kubiš, die dann fünf Monate später auch das Attentat auf Heydrich verübten. Bis dahin aber mussten sie im von den Nazis streng überwachten Protektorat einen sicheren Unterschlupf finden. Und da half ihnen gerade der heimische Widerstand, betont Historiker Burian:

„Jan Kubiš und Jozef Gabčík hatten Glück im Unglück. Gerade weil sie am falschen Ort gelandet waren, gelang es ihnen sehr schnell Kontakt aufzunehmen mit einer Widerstandsgruppe der Sokol-Organisation, die zu dieser Zeit noch nicht von der Gestapo unterwandert war. Die enorme Hilfe der Sokol-Mitglieder trug also wesentlich zur erfolgreichen Durchführung des Attentats auf Heydrich bei.“

Vorbereitung der Gedenkveranstaltung in Nehvizdy (Foto: ČT24)Vorbereitung der Gedenkveranstaltung in Nehvizdy (Foto: ČT24) Mehr und mehr stellen die Historiker heute fest, dass der tschechische Widerstand im einstigen Protektorat auch seinen Teil dazu beigetragen hat, das Land von den Okkupanten zu befreien. Das wurde gerade in den zurückliegenden zwei Jahren mit der Enthüllung eines Denkmals für die Heydrich-Attentäter in Prag, einer Ausstellung zum Widerstand in Prag, einer umfassenden TV-Dokumentation zum Attentat und jetzt wieder mit der Gedenkveranstaltung in Nehvizdy gewürdigt.