Hüpfen, rennen, raten - Deutschlernen für Tschechen mit neuer Methode

30-09-2008

Ödes Vokabelpauken und nicht enden wollende Grammatiklektionen – das verbinden die meisten Menschen mit Sprachunterricht. Eine neue Lernmethode verspricht nun neben dem Büffeln auch noch Spaß. Zum Europäischen Tag der Sprachen am vergangenen Freitag wurde sie in Prag vorgestellt.

Ist das noch Sprachunterricht? Beim ersten Blick in einen der Klassenräume des Prager Goethe-Instituts ist man sich da nicht so sicher. 19 Jugendliche, eine Lehrerin und eine Animateurin hüpfen, rennen und raten um die Wette. Dabei wiederholen sie immer wieder deutsche Vokabeln und haben sichtlich Spaß dabei. Sprachanimation ist das Stichwort. Tandem und das Goethe-Institut Prag stellten sie am Europäischen Tag der Sprachen mehreren Prager Schulklassen vor. Edita Kotorová vom Koordinierungszentrum für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch, Tandem, erklärt, was Sprachanimation eigentlich ist.

„Das ist eine besondere Art und Weise, wie man an Sprachen herankommt. Es geht vor allem darum, dass man Berührungsflächen zwischen zwei Sprachen findet, auf die man bauen kann. Das sind meistens verschiedene Spiele und es geht darum, dass man sich bewegt und nicht nur passiv sitzt. Es ist ja bekannt, dass man sich an alles besser erinnert, wenn man sich ein bisschen bewegt und das mit Emotionen verbunden ist.“

Am vergangenen Freitag hatten vor allem Schulen die Gelegenheit, die Sprachanimation für den Deutschunterricht kennen zu lernen. Diese Chance haben sie genutzt - alle 16 Veranstaltungen waren ausgebucht. Eva Švendová, die seit über 30 Jahren Deutsch unterrichtet, konnte ihre Klasse vom Akademischen Gymnasium aus Prag 2 noch rechtzeitig für die Animation anmelden. Nach 90 Minuten Aktiv-Unterricht zieht sie ein erstes Resümee:

„Das ist etwas ganz Feines und Neues für den Unterricht. Man möchte das auch gerne in den normalen Schulunterricht einbauen, um ihn lebendiger zu gestalten. Es war vor allem eine gute Motivation für die Schüler, wie man die Sprache lernen kann: mit Lächeln, Spaß und Bewegungen.“

Um diesen Bewegungs-Spaß mit einem Lerneffekt verbinden zu können, müssen die Sprachanimateure mehrere Kurse bei Tandem und dem Goethe-Institut absolvieren. Ein abgeschlossenes Sprachstudium brauchen sie aber nicht. Obwohl es die Sprachanimation schon seit zehn Jahren gibt, hat sie ihren Weg in die pädagogischen Lehrbücher noch nicht gefunden. Deshalb soll im nächsten Jahr wissenschaftlich erforscht werden, inwieweit die Methode für Sprachschüler angewendet werden kann. Edita Kotorová stellt aber klar, dass Sprachanimation im Unterricht nicht grenzenlos einsetzbar ist.

„Sprachunterricht kann nicht nur aus Sprachanimation bestehen. Das ist eher als eine Methode gedacht, die Sprachschülern am Anfang sehr hilft. Sie begreifen dann, dass es leicht ist und wirklich Spaß macht. Und das motiviert sie wirklich.“

30-09-2008