Holocaust-Gedenktag: Zeitzeugen erzählen – israelische Auszeichnung für Tschechen

28-01-2014

Der 27. Januar gilt als Holocaust-Gedenktag, und das auch in Tschechien. Aus diesem Anlass fand im Senat eine Gedenkveranstaltung statt.

Petr Papoušek (Foto: Archiv der Föderation jüdischer Gemeinden)Petr Papoušek (Foto: Archiv der Föderation jüdischer Gemeinden) Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit. Deswegen wird zu diesem Datum an die Vernichtung der Juden gedacht. Bei der Veranstaltung im tschechischen Senat warnten die Redner vor neuen Wellen von Antisemitismus. Zudem erinnerten sie daran, dass die systematische Ermordung bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht nur ein Thema der Vergangenheit ist. Petr Papoušek, Vorsitzender der Föderation jüdischer Gemeinden:

„Dies passiert auch heute noch beispielsweise in Afrika oder in Syrien. Die Ursache ist in den Menschen zu suchen. Sie sind von Hass erfüllt gegenüber dem, was ihnen fremd vorkommt. Sie brauchen einen Grund, um ihre Macht zu demonstrieren, um andere zu beseitigen.“

Doris Grozdanovičová (Foto: Archiv des Instituts Theresienstädter Initiative)Doris Grozdanovičová (Foto: Archiv des Instituts Theresienstädter Initiative) An der Veranstaltung nahmen auch Opfer der nationalsozialistischen Politik im Zweiten Weltkrieg teil. Doris Grozdanovičová entstammt einer jüdischen Familie und wurde vor genau 72 Jahre ins KZ Theresienstadt deportiert. Damals war sie 16 Jahre alt. Von ihrer Familie überlebten nur sie und ihr Bruder den Krieg. Dabei half ihr die ungewöhnliche Arbeit, zu der sie in Theresienstadt zugeteilt wurde:

„Ich war den ganzen Tag draußen, um auf die Schafe aufzupassen. Das war etwas ganz anderes, als wenn ich in der Wäscherei oder anderswo im Ghetto gearbeitet hätte.“

Theresienstadt (Foto: United States Holocaust Memorial Museum)Theresienstadt (Foto: United States Holocaust Memorial Museum) Auch wenn sie mit Theresienstadt nur schmerzvolle Erinnerungen verbindet, fährt sie manchmal dort hin. Dann erzählt sie jungen Menschen, was sie dort erlebt hat.

Vor kurzem besuchten Schülerinnen und Schüler des Prager Gymnasiums „Or Chadasch“ die Gedenkstätte Theresienstadt. Ein Mädchen erzählt:

„Es war so still und zugleich schrecklich. Das war wie in Auschwitz, das wir zuvor besucht haben. Uns hat auch berührt, dass das Leben in Theresienstadt weiter geht. Die Bewohner gehen jeden Tag am Ort vorbei, wo so viele Menschen litten und starben.“

Gary Koren mit Vlasta Rypáčková (Tochter Košvanec´). Foto: ČTKGary Koren mit Vlasta Rypáčková (Tochter Košvanec´). Foto: ČTK Anlässlich des Holocaust-Gedenktags wird jedes Jahr der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen. Der Staat Israel und die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem würdigen damit Personen, die während des Krieges Juden gerettet haben. Geehrt wurde am Montag in Memoriam auch der Tscheche Karel Košvanec, er hatte Juden in Theresienstadt mit Lebensmitteln versorgt. Im Rathaus von Liberec / Reichenberg nahm Košvanec´ Tochter die Auszeichnung entgegen. Dazu der israelische Botschafter in Tschechien, Gary Koren:

Karel Košvanec (Foto: ČTK)Karel Košvanec (Foto: ČTK) „Er war ein außerordentlich mutiger Mensch mit einem großen Herzen. Er sah damals, was um ihn herum geschah und entschied sich, etwas dagegen zu unternehmen.“

Karel Košvanec arbeitete als Eisenbahner in der Nähe von Theresienstadt. Deswegen wurde er auf die Judentransporte aufmerksam und beschloss, den Internierten zu helfen. In der Nacht schmuggelte er mehrmals wöchentlich Lebensmittel ins KZ. Von dort nahm er geheime und nicht zensierte Briefe von den Häftlingen mit und leitete sie an ihre Verwandten weiter. Košvanec starb schon 1950. Seine Geschichte ist dank einer Zeitzeugin bekannt worden. Er ist der 111. Tscheche, der mit dem Ehrentitel bedacht wurde.

28-01-2014

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