„Höchste technische Qualität“ – Amt für Reaktorsicherheit weist Kritik aus Deutschland an Temelín zurück

Ein Gutachten der Partei „Die Grünen“ sorgt in Deutschland für Diskussionen. Ein ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium hatte für die Grünen die Lage im tschechischen Kernkraftwerk Temelín begutachtet. Daraufhin haben die Grünen dem Bundesumweltminister Peter Altmaier vorgeworfen, Sicherheitsrisiken zu ignorieren. Der Vorgang löste aber auch in Tschechien Reaktionen aus.

Kernkraftwerk Temelín (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Kernkraftwerk Temelín (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Geschichte ist eigentlich alt: Im Jahr 2000 wurde Greenpeace von einem Zeugen informiert, dass es bei der Errichtung von Block eins des Kernkraftwerks Temelín zu einer Unregelmäßigkeit gekommen sei. Eine sicherheitsrelevante Schweißnaht am Reaktordruckbehälter soll fehlerhaft ausgeführt worden sein.

Dieter Majer, ehemaliger Abteilungsleiter im Umweltministerium, warnt nun in seinem Gutachten, das Problem sei weit größer als bisher angenommen. Alle Schweißnähte im Anschlussbereich des Reaktordruckbehälters könnten fehlerhaft sein, so Majer. Daneben sei die Dokumentation der Arbeiten lückenhaft und teils widersprüchlich. Dana Drábová ist Vorsitzende des tschechischen Amtes für Reaktorsicherheit:

Dana Drábová (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Dana Drábová (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Menschen können sich nicht erinnern, Menschen können Fehler machen und Menschen können natürlich auch lügen. Das aber kann Eisen nicht. Wir haben uns nicht auf die Vollständigkeit und formale Korrektheit der Dokumentation konzentriert, auch wenn dort ebenfalls viel Arbeit geleistet wurde. Wir haben uns darauf konzentriert sicherzustellen, dass die Schweißnähte in höchster technischer Qualität ausgeführt wurden. Dafür gibt es Methoden, und diese Methoden erfüllen die höchsten international anerkannten Standards.“

Dieser Meinung scheint auch der deutsche Umweltminister Altmaier zu sein. Er schrieb der grünen Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, die das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, er sehe keine sicherheitstechnischen Anhaltspunkte, das aufsichtsbehördliche Vorgehen der tschechischen Seite in Zweifel zu ziehen. Die deutschen Grünen behaupten jedoch, bis heute könne aufgrund der mangelhaften Dokumentation nicht nachvollzogen werden, ob es zu den fehlerhaften Schweißarbeiten gekommen sei oder nicht. Dieser Meinung ist auch Jiří Tutter. Er war Direktor der tschechischen Sektion von Greenpeace:

Jiří Tutter (Foto: Archiv Greenpeace)Jiří Tutter (Foto: Archiv Greenpeace) „Ich weiß sehr gut, dass für die Bewertung der Qualität von Schweißnähten nicht nachfolgende Tests wesentlich sind, weil keine der heutzutage möglichen Methoden den tatsächlichen qualitativen Zustand einer Schweißnaht feststellen kann. Beweiskräftig ist da nur die ursprüngliche Dokumentation, die aussagt, wie die einzelnen Arbeitsphasen abgelaufen sind. Und wenn sie eine Dokumentation haben, in der Fakten gegen sie stehen, dann ist das ein Beweis dafür, dass es hier zu einer Manipulation gekommen ist.“

Beim Bau des Reaktors soll ein Rohr zunächst verdreht angeschweißt worden sein. Danach sei die Schweißnaht wieder aufgetrennt worden und im Anschluss ohne die Beachtung von Herstellerangaben wieder zugeschweißt worden, so die Vorwürfe von Greenpeace. Das tschechische Amt für Reaktorsicherheit aber weist die Vorwürfe einer Manipulation bei der Dokumentation zurück, so Dana Drábová:

Peter Altmaier (Foto: Rudolf Simon, Wikimedia CC BY-SA 3.0)Peter Altmaier (Foto: Rudolf Simon, Wikimedia CC BY-SA 3.0) „Die Dokumentation ist zwischen den Jahren 1990 und 1995 entstanden. Aus heutiger Sicht erscheinen einige Teile vielleicht formell etwas unbeholfen. Aber trotzdem: Wenn wir die Arbeit betrachten und eine Zeitrafferaufnahme machen, würde es mich doch interessieren, wie Herr Tutter darauf kommt, dass etwas bei der Dokumentation nicht stimmt.“

Die deutschen Grünen und die überparteiliche „Plattform gegen Temelín“ fordern derweil Bundesumweltminister Altmaier auf, Fachleute zur Untersuchung des Risikos nach Temelín zu schicken. Es könne nicht sein, dass diplomatische Hasenfüßigkeit zu Lasten von Atomsicherheit gehe, so die Abgeordnete Kotting-Uhl.