Hochwasserkatastrophe sucht über Nacht Nord- und Mittelmähren heim

Nach anhaltenden Regenfällen in Süd- und Ostböhmen und in einem Teil Mährens wurden zunächst nur steigende Wasserpegel an vielen Flüssen gemeldet. In der letzten Nacht schwollen die Fluten aber zu einem verheerenden Hochwasser in Mittel- und Nordmähren an. Die Bilanz der Opfer ist erschreckend: Die Nachrichtenagenturen meldeten bis Donnerstagmittag insgesamt zehn Tote.

Foto: ČTKFoto: ČTK „Das Wasser fließt durch die Gärten und sucht den besten Weg für sich. Die Alteingesessenen behaupten, dass sie hier solch ein Hochwasser noch nie erlebt haben. Wir sind hier neu zugezogen und es ist wirklich ein Schock.“

So eine Bewohnerin aus einer der betroffenen Regionen. In der Nacht zu Donnerstag nahm die Feuerwehr in Nord- und Mittelmähren zunächst hunderte Meldungen über überschwemmte Keller, Garagen und Lagerräume aus der Umgebung entgegen. Dann verschlechterte sich die Lage jedoch rapide. Straßen wurden überschwemmt und Häuser stürzten ein. Besonders dramatisch wurde es in der Gegend der Stadt Nový Jičín. Das Wasser stieg mancherorts so schnell an, dass einige Menschen nicht mehr ihr Leben retten konnten. Allein acht der neun bisher bestätigten Todesopfer kommen aus dieser Gegend. Die Höhe der materiellen Schäden wird erst noch ermittelt.

Foto: ČTKFoto: ČTK Einer Mutter von vier Kindern hat das Hochwasser eine dicke Schlammschicht in ihrem Haus hinterlassen:

„Die Betten, Möbel, die Sachen für die Kinder, alles ist nicht mehr zu gebrauchen. Strom gibt es auch nicht.“

In einem Haus direkt am Fluss Jičínka, der rasend schnell über die Ufer trat, wohnt der 36-jährige Familienvater Milan Kotlář. „Wir haben sechs kleine Kinder. Als der Schreck begann, hat es keine zwei Minuten gedauert und schon strömte das Wasser ins Haus. Ich sprang aus dem Fenster in den Garten, um die Kinder zu retten. Ich musste auch unseren Nachbarn helfen, die ebenfalls aus den Fenstern sprangen, weil sie Angst hatten, dass das Wasser im Haus höher steigen würde. Im Garten reichte das Wasser mittlerweile bis zum Hals.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Im Laufe der Nacht mussten ungefähr 200 Menschen evakuiert werden. Ein Teil von ihnen musste in einer Turnhalle übernachten. In der Nähe von Nový Jičín ist auch die Hochdruckgasleitung beschädigt worden. Da sich schnell beißender Gestank des entweichenden Gases verbreitete, wurden rund hundert Insassen eines Altersheimes für mehrere Stunden evakuiert. Die 75-jährige Zdeňka Červenková erinnert sich:

„Das war etwas so Schreckliches. Es summte und brummte irgendwie und immer mehr. Man konnte nicht atmen, sprechen, ich habe nur nach Luft geschnappt.“

Viele Menschen hierzulande haben noch nicht das hundertjährige Hochwasser vergessen, das 1997 ein Drittel Tschechiens heimgesucht hatte und bei dem 50 Menschen ums Leben kamen.