Hochwasser 2002: Prager Metronetz zu zwei Fünfteln vollgelaufen

Vor genau zehn Jahren, am 14. August 2002, erreichte das Hochwasser in Prag seinen Scheitelpunkt. Er lag so hoch, dass man in der Hauptstadt schon nicht mehr von einer Jahrhundertflut sprach, sondern von einer Überschwemmung, wie sie sich letztmals vor 500 Jahren ereignet hatte. Die Schäden waren entsprechend hoch. Um sie sich vor Augen zu führen, reichte ein Blick auf den Zustand der Prager Metro: 18 Metrostationen und Fahrtunnel mit einer Streckenlänge von knapp 20 Kilometern (ca. 39 Prozent der Gesamtstrecke) waren vollgelaufen. Dabei wurden 107 Rolltreppen, 23 Aufzüge und sämtliche unterirdisch geführten Kabel zerstört.

Station VltavskáStation Vltavská „Wir sind an der Metrolinie C, wo einige Stationen noch in Betrieb sind, an anderen aber bereits gegen die Wassermassen gekämpft wird. So auch hier an der Station Vltavská, wo die Kompressoren der Wasserpumpen unaufhörlich in Betrieb sind, um das schmutzige Wasser aus den Metroschächten zu pumpen.“

Diese und ähnliche Reportagen des Tschechischen Rundfunks konnte man vor zehn Jahren häufiger hören, wenn über den Zustand der Metro berichtet wurde. Und der war erschütternd, nachdem das Wasser nach und nach in mehrere Stationen eingedrungen war. Ein grauenhaftes Bild bot sich auch Michal Wowesný, dem Einsatzleiter der firmeneigenen Feuerwehr der Prager Verkehrsbetriebe:

Michal WowesnýMichal Wowesný „Am schlimmsten war der Anblick der Station Invalidovna, an der es einen Imbiss gab. Überall sah man die Abfälle, die vor sich hin faulten.“

Nach den Vorhersagen der Meteorologen und Hydrologen, die lange Zeit von einem Jahrhunderthochwasser ausgingen, hatte die Betriebsleitung der Prager Metro beschlossen, präventiv einige Druckschleusen zu schließen. Man hoffte, den Metrobetrieb in der Innenstadt damit nur kurzzeitig unterbrechen zu müssen, so Betriebsleiter Jan Cibulka:

Station Bahnhof HolešoviceStation Bahnhof Holešovice „Wir haben die Metrostationen eigentlich nur deshalb geschlossen, um die vorbeiziehende Flutwelle zu überstehen. Wir haben erwartet, dass wir die Metrostrecken nach ein paar Tagen wieder komplett befahren können und es nicht zur Überschwemmung kommt.“

Doch es kam anders. Nicht nur, weil die Flutwelle höher als erwartet war, sondern auch, weil die Baustelle einer Streckenverlängerung in Moldaunähe nicht genügend abgesichert war. Ladislav Urbánek, Verkehrsdirektor der Prager Verkehrsbetriebe:

Ladislav Urbánek (Foto: Archiv der Prager Verkehrsbetriebe)Ladislav Urbánek (Foto: Archiv der Prager Verkehrsbetriebe) „Durch das Bauloch drang das Wasser in die Station Bahnhof Holešovice und von da aus in den Metrotunnel ein. Der Bahnsteig der Station wurde schließlich komplett überflutet, und zwar in einer Höhe von drei Metern.“

Vor zehn Jahren sind die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe vom Ausmaß und der Wucht des Hochwassers überrascht worden. Nun aber, nach einer umfassenden Instandsetzung und Sanierung der Metroanlagen, glauben sie fest daran, auf eine ähnliche Naturkatastrophe besser vorbereitet zu sein:

„Leider ist Prag vor zehn Jahren von einer unerwartet großen Flut heimgesucht worden. Der Pegelstand der Moldau lag um 1,80 Meter über dem des vorherigen Jahrhunderthochwassers. Die Wassermenge, die durch Prag floss, lag mindestens 30 Prozent höher. Deshalb haben wir alle Hochwasserschutzvorrichtungen, die wir bei der Sanierung der Metro erneuert haben, auf die Wasserhöhe von 2002 plus einer Reserve von 60 Zentimetern ausgelegt“, so der Betriebsleiter Jan Cibulka.

Die Gesamtkosten der Metro-Reparatur beliefen sich auf umgerechnet 280 Millionen Euro. Nach nur sieben Monaten, im März 2003, waren alle Metrostationen wieder in Betrieb.