Hochwasser 2002: Drama um den Prager Zoo

Das schlimmste Hochwasser der tschechischen Geschichte war auch die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des Prager Zoos. Als vor genau zehn Jahren, am 13. August 2002, das Wasser der Moldau den unteren Teil des Tiergartens überschwemmte, ging alles ganz schnell. Über 1000 Tiere mussten evakuiert werden, insgesamt 134 überlebten die dramatischen Tage nicht.

Hochwasser im Prager Zoo (Foto: ČTK)Hochwasser im Prager Zoo (Foto: ČTK) Montag, 12. August 2002: Die Moldau führt bereits Hochwasser, da erhält Petr Fejk, der damalige Direktor des Prager Zoos, eine Nachricht – ein weiterer Anstieg des Wassers stünde bevor. Fejk setzt daraufhin den bestehenden Evakuationsplan in Gang. Das Wasser aber sprengt jeden Plan. Petr Fejk erinnert sich noch heute sehr genau:

„Wir haben am Montag, gegen 20 Uhr, mit der Evakuierung begonnen. Der Plan ging von einem Hochwasserniveau aus den 1950er Jahren aus. Das hatten auch die Meteorologen vorhergesagt. Am Dienstag, dem 13. August, haben wir dann am frühen Morgen damit begonnen, die Tiere aus dem gesamten unteren Teils des Zoos abzutransportieren. Ich erinnere mich, dass wir gerade die Raubtiere in Transportboxen auf Lastwagen verladen hatten, als das Wasser schon in den Zoo strömte. Wir mussten erkennen, dass wir es mit einem Jahrhunderthochwasser zu tun hatten, das die Evakuierungspläne obsolet machte.“

Petr Fejk und Miroslav Bobek (Foto: ČTK)Petr Fejk und Miroslav Bobek (Foto: ČTK) Es folgten dramatische Ereignisse. Zwar war es den 200 Mitarbeitern des Zoos bis zum Dienstag gelungen, fast 1000 Tiere zu evakuieren, aber gerade die großen Tiere stellten sie vor Schwierigkeiten. Besonders das Gorillagehege war gefährdet:

„Wir mussten mit Rafting-Schlauchbooten die Gorillas evakuieren, die wir aber erst einmal aus den Käfigen befreien mussten. An der Aktion habe ich persönlich teilgenommen, es war wahrscheinlich das Dramatischste, was ich bis zu diesem Zeitpunkt erlebt habe. Es war unglaublich anstrengend, die gestressten Gorillas einzuschläfern. Und dann waren da die Freiwilligen von diesem Wassersportklub, die auf dem wilden Fluss mit den Rafting-Schlauchbooten geholfen haben. Das Ganze hat nicht nur das Leben der Gorillas, sondern auch das der Retter gefährdet.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Trotz dramatischer Rettungsaktionen konnten einige Tiere nicht gerettet werden. Der Elefantenbulle Kadira war derart aggressiv, dass die Helfer ihn einzuschläfern mussten, bevor er aus dem Gehege ausbrechen konnte. Neben dem Elefantenbullen starben weitere 9 Säugetiere, darunter ein Flusspferdweibchen, ein Löwe, ein Bär und der Gorillamann Pong.

Andere Tiere nutzten die Chance, Ausflüge zu unternehmen. Der bekannteste Reisende war Seelöwe Gaston, er schaffte es sogar bis nach Deutschland. In Lutherstadt Wittenberg retteten ihn deutsche Einsatzkräfte, das erschöpfte und gestresste Tier verstarb aber auf dem Rückweg nach Prag.

Foto: ČTKFoto: ČTK Mit Engagement, vielen Spenden und harter Arbeit ist es gelungen, den Prager Zoo in den letzten zehn Jahren neu aufzubauen. Die Pavillons der großen Wildtiere liegen nun alle auf höherem Terrain, und der untere Teil des Tiergartens wurde komplett erneuert. Miroslav Bobek ist der aktuelle Direktor des Zoos. Vor einem ähnlichen Hochwasser wie 2002 hat er aber dennoch Angst:

„Wir haben einen detaillierten Plan, wer im Fall eines Hochwassers was zu tun hat beziehungsweise sicherstellen muss. Es sind nun Transportboxen für die Tiere vorbereitet. Wir schauen aber noch immer mit etwas Furcht auf den Himmel, denn der Hochwasserschutzwall, der in den 1990er Jahren gebaut wurde mit Blick auf das Hochwasser aus den 1950er Jahren, endet vor dem Schloss Troja. Wenn also noch mal ein solches Hochwasser wie im Jahr 2002 käme, müssten wir erneut den unteren Teil des Zoos evakuieren.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Für die meisten Angestellten ist die Erinnerung an die dramatischen Tage 2002 noch immer schmerzhaft. Geholfen hat eine überwältigende Welle der Solidarität – nach der Katastrophe flossen über 20 Millionen Kronen Spenden (800.000 Euro), auch aus Deutschland, die in den Wiederaufbau des Zoos investiert wurden.