Hitze und Trockenheit hinterlassen steigende Folgen für die Wirtschaft

07-08-2015

Tschechien stöhnt und ächzt derzeit wie viele andere Länder Mitteleuropas unter extremer Hitze. Die Meteorologen haben den Freitag als den wohl wärmsten Tag des Jahres angekündigt mit Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten. Angesichts der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer aber melden sich auch immer mehr Wirtschaftszweige, denen die Dauerglut mächtig zusetzt.

Illustrationsfoto: YouTubeIllustrationsfoto: YouTube Ganz speziell vom Wetter abhängig ist die Landwirtschaft. Anfang Juli, als die Hitzewelle einsetzte, war man von den hohen Temperaturen noch sehr angetan:

„Wir haben bereits mit der Ernte der Spätgerste begonnen, denn sie ist überreif. Es ist sehr trocken, von daher reift das Getreide in den letzten Tagen förmlich vor den Augen. Der Weizen ist fast fertig, und der Raps reift ziemlich schnell“, sagte Landwirt Jiří Fojtík aus der Gegend um Břeclav / Lundenburg in Südmähren vor einem Monat.

Martin Pýcha (Foto: ČT24)Martin Pýcha (Foto: ČT24) Dank des trockenen Wetters sind die Mähdrescher seitdem bis zu 16 Stunden am Tag im Einsatz. Von den Feldern ist bereits 50 Prozent des Getreides und über 80 Prozent des Rapses eingebracht worden. Für beides wird eine neue Rekordernte erwartet.

Negativ wirkt sich die Dürre hingegen bei drei anderen Industriepflanzen aus, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes, Martin Pýcha:

„Davon betroffen sind sehr wahrscheinlich Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais. Oder allgemein gesagt: die Futterpflanzen.“

Foto: ČT24Foto: ČT24 Wegen der Knappheit an Kartoffeln auch in anderen Ländern werden die Preise für dieses Grundnahrungsmittel wohl schon im Herbst steigen, informiert Pýcha. Seinen Worten zufolge dürfen die Obstbauern jedoch bei den meisten Sorten mit einer überdurchschnittlichen Ernte rechnen, während die Gemüsebauern die Folgen der Trockenheit zurzeit noch nicht ganz einschätzen können. Dafür könnte der fehlende Regen auch noch später für Missmut sorgen, meint Pýcha:

Oder (Foto: Lukáš Mižoch, Wikimedia CC BY-SA 2.5)Oder (Foto: Lukáš Mižoch, Wikimedia CC BY-SA 2.5) „Falls die Dürre bis zum Herbst anhalten sollte, wenn damit begonnen wird, die Saat für die Winterfrüchte auszusetzen, dann bekommen wir ein Problem. Denn ist der Boden dann ausgetrocknet, dürfte sich das bei der nächsten Ernte bemerkbar machen.“

Schon jetzt deutlich bemerkbar macht sich der Wassermangel in den Flüssen. Er gefährdet auch das Leben der Fische, wie zum Beispiel in der Oder:

„Das ist extrem. Jedes Jahr im Sommer sinkt der Pegel hier im Oberlauf der Oder, aber nicht so stark. Man sieht de facto das Flussbett, es ist fast trocken. Bei einer Wassertemperatur von 28 Grad stirbt hier alles Leben“, sagt Fischzüchter Miloš Černoch.

Ivan Chládek (Foto: Michal Malý, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Ivan Chládek (Foto: Michal Malý, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Gemeinsam mit seinem Kollegen Jaroslav Fabián kontrolliert er täglich einen zwei Kilometer langen Abschnitt des Flusses. Die Fische, die noch leben, konzentrieren sich auf engstem Raum an vier Wehren. Die Fischzüchter tun ihr Möglichstes, um sie zu retten, auch mit Hilfe eines Angelverbots.

Das Niedrigwasser in den Flüssen hat ebenso die kleinen Wasserwerke außer Betrieb gesetzt. Im Kreis Vysočina / Böhmisch-Mährische Höhe zum Beispiel liegen die Pegelstände der Flüsse nur bei einem Viertel ihres Normalwerts, an einigen Läufen sogar nur bei einem Zehntel. Ivan Chládek, der ein kleines Wasserwerk an der Oslava betreibt, bestätigt:

Jiří Gavor (Foto: Archiv SME-UNION)Jiří Gavor (Foto: Archiv SME-UNION) „Wasser wird nur von der Talsperre Mostiště abgelassen, und das auch nur in geringem Maße. Wir an den Wasserwerken müssen diesen Durchfluss aber aufrechterhalten, daher können wir unseren Aggregaten kein Wasser zuführen.“

Nach Aussage des Energieexperten Jiří Gavor hätten derzeit selbst die von der vielen Sonne profitierenden Photovoltaikanlagen Mühe, ihre volle Leistung zu bringen. Jedes Grad mehr auf der Quecksilbersäule verringere ihre Leistung um 0,6 Prozent, sagt der Experte. Der Energieverbrauch im Land dagegen sei schon um zwei bis drei Prozent gestiegen. Man darf also sicher sein, dass die jetzige Dürre auch die Wirtschaft vor immer neue Fragen stellt, die man künftig beantworten muss.

07-08-2015