Heute vor 25 Jahren: Die Parteiführung tritt zurück

Eine Woche nach dem Beginn der Samtenen Revolution vom 17. November 1989 feierte die damalige Protestbewegung einen wichtigen Erfolg: Die Führung der kommunistischen Partei trat geschlossen zurück.

Petr Pithart (Foto: Noemi Holeková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Pithart (Foto: Noemi Holeková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Am 24. November sind die Proteste gegen die kommunistische Führung in der Tschechoslowakei genau eine Woche alt. Und die Unterstützung wächst: In Prag versammeln sich an diesem Freitag 300.00 Menschen auf dem Wenzelsplatz. Die Protestierenden halten ihre Ansprachen auf dem Balkon des Melantrich-Verlags. Auch Alexander Dubček tritt vor die Massen. Der damalige Dissident Petr Pithart erläuterte später, warum das Bürgerforum dem früheren Reformkommunisten dieses Forum bereitete:

„Die Menschen in der Slowakei hielten ihn für den bekanntesten Slowaken weltweit. Und das war wichtig. Seine tatsächliche politische Rolle war nebensächlich.“

Alexander Dubček (Foto: Archiv des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik)Alexander Dubček (Foto: Archiv des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik) Dubček wird von den Menschen als ein Symbol der Reformbewegung des sogenannten Prager Frühlings gefeiert. Während noch weitere Redner sprechen wie zum Beispiel der Kapitän der tschechoslowakischen Fußballnationalmannschaft, Ivan Hašek, warten die Versammelten eigentlich vor allem auf eines: eine Nachricht von der Sitzung des Zentralkomitees der KPTsch.

Bereits mehrere Stunden tagt dieses wichtigste Parteiorgan. Generalsekretär Miloš Jakeš bezeichnet dabei die Lage im Land als „äußerst angespannt“ und verlangt eine selbstkritische Reflexion innerhalb der KPTsch.

Während die Sitzung andauert, wiederholt das Streikkomitee der Studierenden in Prag seine Forderung: dass die Verantwortlichen für die blutige Auflösung der Studentendemonstration am 17. November zurücktreten sollen.

Kurz vor Beginn der Abendnachrichten erreicht die wichtigste offizielle Information des Tages dann das staatliche Fernsehen:

Milouš Jakeš (Foto: ČT24)Milouš Jakeš (Foto: ČT24) „Diese Information besagt, dass Genosse Miloš Jakeš um 19 Uhr um das Wort gebeten hat. Er teilte dem ZK mit, dass er selbst und die anderen Mitglieder des Präsidiums und des Sekretariats des ZK der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei beschlossen haben, ihre Ämter niederzulegen, damit eine neue Parteiführung gewählt werden könne.“

Zum neuen Generalsekretär wird später am Abend dann Karel Urbánek gewählt, der jedoch keine Kursänderung vertritt.

Dennoch löst der Rücktritt bei der Pressekonferenz des Bürgerforums großen Jubel aus. Denn nun ist der Weg frei zu direkten Verhandlungen zwischen dem Forum und den Regierungsvertretern. Noch am selben Abend lässt Ministerpräsident Ladislav Adamec ausrichten, er sei bereit, sich mit Václav Havel zu treffen. Dies hatte der Regierungschef zuvor abgelehnt. Damit ist der Durchbruch geschafft. Zum ersten gemeinsamen Treffen kommt es dann zwei Tage später im Lucerna-Haus auf dem Wenzelsplatz.