Hamburg und die EU-Osterweiterung

30-04-2004

Hamburg sieht sich selbst als Drehscheibe zwischen Ost und West. Und die Regierung betont vor allem die wirtschaftlichen Aspekte der bevorstehenden Erweiterung: Tschechien spielt in diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

HamburgHamburg Wirtschaftssenator Uldall forderte noch zu Beginn der Woche erneut eine Vertiefung der Oberelbe zwischen Hamburg und Böhmen. Denn die Regierung in der norddeutschen Metropole setzt voll auf den Binnenschiffverkehr zwischen Prag, dem nordböhmischen Usti nad Labem und dem Hamburger Hafen. 25.000 Container werden jährliche die Elbe sowie die Moldau herauf- und herabbefördert, und nach der Erweiterung soll diese Zahl noch steigen. Somit sind beide Flüsse echte Bindeglieder zwischen Tschechien und Norddeutschland.

Die Partnerschaft der beiden Städte Prag und Hamburg ist eng, in der Hansestadt leben insgesamt 1.500 Tschechen. Vor wenigen Wochen hat die tschechische Agentur für Handelsförderung CZECH TRADE eine Dependance in Hamburg eröffnet. Aber in der Stadt denkt man speziell in diesen Tagen nicht nur ans Ökonomische: Eine Europawoche klärt die Bürger derzeit über zahlreiche Aspekte im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung auf. Die tschechische Tourismuszentrale ist mit einem Showprogramm auf dem Rathausmarkt vertreten, mit viel Musik und viel Folklore.

Der frühere tschechische Finanzminister Ivan Pilip war vor wenigen Tagen Ehrengast auf einer Festveranstaltung im Rathaus. Die lokalen Medien bringen den Bürgern den Nachbarstaat Tschechien seit Wochen näher, kaum ein Aspekt, der nicht beleuchtet wurde. Bürgermeister von Beust hisst am heutigen Freitagnachmittag feierlich die Flaggen der Beitrittsländer. Vergangene Woche begann - ebenfalls pünktlich zur Erweiterung - das tschechische Film- und Kulturfestival "Prag in Hamburg". Die Veranstaltungen am Wochenende waren ausverkauft, die Resonanz ist groß. Die Studenten der Universität feiern den Beitritt heute Abend standesgemäß: Sie laden zur Erweiterungsparty auf den Campus, mit kulinarischen Spezialitäten aus den neuen EU-Staaten. Und, wie man hört, hat im Kneipenviertel St. Pauli tschechisches Bier wie Staropramen, Krusovice oder Budweiser seit Wochen Hochkonjunktur.

30-04-2004