Trauriger Fund: Tiger aus privater Zucht für kommerzielles Geschäft getötet

19-07-2018

Am Montag waren die Polizei, der Zoll und die Umweltinspektion bei einer konzertierten Aktion im Einsatz. Leider wurden sie fündig, denn an drei Orten entdeckten sie illegal getötete Tiger, Kadaver von weiteren teils gefährdeten Tierarten und jede Menge Bargeld. Am Mittwoch enthüllten die Beamten vor Journalisten die grausige Entdeckung.

Foto: ČTK / PR / Policie ČRFoto: ČTK / PR / Policie ČR Auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Prag sprach zuerst der stellvertretende Generaldirektor der Zollverwaltung, Robert Šlachta, über den Fund:

„Im Hof entdeckten unsere Beamten eine Tiefkühltruhe, die schon zwei Jahre lang ausgeschaltet war. Darin war Fleisch, das so sehr stank, dass unsere Beamten erst einmal den Hof verlassen mussten, nachdem sie die Truhe geöffnet hatten. Die Truhe war voller Geflügel und Fleisch, dessen Herkunft nicht mehr zu identifizieren war.“

So beschrieb Šlachta einen der Orte, an dem die Fahnder am Montag fündig wurden. Die Razzien wurden an einem Prager Wohnsitz sowie zwei Tierparkanlagen in Mittel- und Nordböhmen durchgeführt. Und dort wurde noch viel mehr entdeckt, ergänzt der Zollbeamte:

„Es wurden vier Tigerfelle sichergestellt, die bereits präpariert waren. Dazu eine Form zur Herstellung von Suppenwürfeln und eine spezielle Küche, in der Knochen ausgekocht wurden, des Weiteren zehn Tigerkrallen.“

Viel mehr musste Robert Šlachta nicht sagen. Sofort war klar, dass die Beamten auf einen besonders scheußlichen Fall der Tötung von Tieren und ihrer Weiterverarbeitung zu kommerziellen Zwecken gestoßen sind. Doch Šlachta legte noch einmal nach:

Foto: ČTK / PR / Policie ČRFoto: ČTK / PR / Policie ČR „Alle Körperteile des Tigers sind für geschäftliche Zwecke verarbeitet worden, egal ob Krallen, Zähne oder Fell. Das schlechte Fleisch wurde an die Hühner verfüttert, das gute verkauft. Und zwar an hier lebende Ausländer, die dies als Delikatesse sehen.“

Die Ausländer, von denen hier die Rede ist, sind Asiaten. Der Direktor der tschechischen Umweltinspektion, Erik Goys:

„In Tschechien lebt eine verhältnismäßig große asiatische Minderheit. Und in Südostasien besteht eine enorme Nachfrage gerade nach Tigerprodukten.“

Bei der Razzia wurden auch drei Männer verhaftet, einer von ihnen kommt aus Asien. Robert Šlachta:

Ludvík Berousek (Foto: ČTK / Vít Černý)Ludvík Berousek (Foto: ČTK / Vít Černý) „Es ist ein vietnamesischer Bürger. Diese Person wird von uns beschuldigt, der Organisator des schmutzigen Geschäfts zu sein. Er ist derjenige, der das Tigerfleisch und weitere Tigerprodukte bestellt hat.“

Der Abnehmer war vermutlich ein Händler auf dem großen Vietnamesen-Markt Sapa in Prag. Denn auch dort ist man bereits dem illegalen Verkauf von speziellen Gerichten aus Tigerknochen auf der Spur. Die beiden anderen Verhafteten sind zwei Tschechen: Zum einen der 67-jährige Ludvík Berousek, dem die private Tierzucht in Bašť nördlich von Prag sowie eine zweite in Doksy bei Česká Lípa / Böhmisch Leipa gehören. Der Jüngste des Trios ist ein 35-jähriger Tscheche, der für das Töten und Präparieren der vorwiegend seltenen Tiere zuständig war. Denn neben den Tigern, die das Hauptgeschäft der Bande bildeten, haben die Fahnder auch noch die Kadaver von Bibern, Eisvögeln oder Turmfalken entdeckt.

Robert Šlachta (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Robert Šlachta (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Mittlerweile sind alle drei Männer in Untersuchungshaft. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der Fall ist wohl der erste in diesem Ausmaß, der in Europa aufgedeckt werden konnte. Folgt man den Äußerungen von Zollfahnder Šlachta, dann wird die private Zucht und der Verkauf von Tieren hierzulande zu wenig kontrolliert.

19-07-2018