Grande Dame des Jazz gestorben

"Docela vsedni obycejny den o pul seste ..." - "Ein ganz normaler, gewöhnlicher Tag um halb sechs", sang Ende der 50-er Jahre Vlasta Pruchova. Aus diesem Song ist ein Hit und nach Jahrzehnten ein Evergreen geworden. Am Montagmorgen titelten fast alle tschechischen Zeitungen und Internetserver: Der tschechische Jazz hat seine First Lady verloren. Vlasta Pruchova ist am Freitag vergangener Woche gestorben. Am 12. Juli wäre sie 80 Jahre alt geworden. Hören sie einen Nachruf von Jitka Mladkova.

Vlasta Pruchova (Foto: CTK)Vlasta Pruchova (Foto: CTK) "Vlasta Pruchova ist am 26. Juni 1926 im slowakischen Ruzomberok geboren, doch schon zu ihren Lebzeiten ist sie für immer als herausragende Interpretin in die Geschichte des tschechischen Jazz eingegangen. Noch vor dem Regimeumbruch im Jahr 1948 konnte man sich diesem Genre als Jazzmusiker relativ frei hingeben. Danach aber kam eine Zeit, die dem Jazz nicht sehr zugeneigt war und in der es keineswegs als Seltenheit galt, wenn in einem Musikklub ausgeschildert war "Wir danken den Hooligans, dass sie nicht unser Lokal besuchen!" Ende der 50-er Jahre kam eine leichte Erwärmung des politischen Klimas, in dem der Jazz für die damaligen Herrscher etwas von seinem "imperialistischen" Beigeschmack verlor. Mit dem Titel "Ein ganz normaler, gewöhnlicher Tag" gewann Vlasta Pruchova, die die besten Voraussetzungen einer Jazzinterpretin besaß, 1957 einen Fernsehwettbewerb.

In den 60-er Jahren konnte sie dann in der Jazzszene, und zwar nicht nur der einheimischen, Fuß fassen. Auf ihrer Musiklaufbahn hatte sie den bestmöglichen Begleiter - ihren Ehemann, Jan Hammer, ein Spitzenkardiologe und Spitzenjazzmusiker. Kurz nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Sowjetpanzer reiste die ganze Familie zu einem geplanten einjährigen Aufenthalt in die USA. Ihr Mann hatte in Washington ein Praxisjahr und Pruchova selber hoffte auch auf eine Chance als Sängerin. Der Sohn Jan Hammer Jr., der zu dem Zeitpunkt in einem Musikklub spielte, sollte sich den Eltern in Österreich anschließen.. In Amerika hatte er ein einjähriges Stipendium an der Berkeley School bekommen. 1999 erinnerte sich Vlasta Pruchova im Tschechischen Rundfunk an die Abreise. Um nicht mit Koffern aufzufallen, habe sie nur je zwei Taschen für sich und ihren Mann gepackt, auf dem Hauptbahnhof habe sich eine fremde Frau von den beiden verabschiedet:

"Natürlich standen die Russen dort. An der Kasse saß eine sehr nette Frau, die uns sagte, dass der Vindobona am Vortag ganz normal verkehrt sei und wohl auch an diesem Tag fahren werde. Sie weinte und hat uns gesagt, wir sollen wieder zurückkommen. Klar, wir kommen, wenn alles wieder irgendwie beigelegt ist, sagte ich ihr."

Vlasta Pruchova ist mit ihrem Mann nach einem Jahr tatsächlich zurückgekehrt, doch ohne den Sohn Jan Hammer jr., der in Amerika ein berühmter Musiker wurde. Das war der Grund, warum beide Eltern durch das Regime gezwungen wurden, ihren Job an den Nagel zu hängen. Jan Hammer Sr. ist 1989 gestorben, Vlasta Pruchova ist ihm vor einer Woche nachgefolgt.