Gletscher, Flechten und Teebeutel

In den ersten drei Monaten jedes Jahres sind Wissenschaftler aus Brno / Brünn in der Antarktis. Dort erforschen sie langfristig den Klimawandel. Erstmals wird dieses Jahr aber auch noch eine zweite Gruppe in die Südpolarregion aufbrechen.

Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Jan Russnák, Archiv der Masaryk-Universität Brno)Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Jan Russnák, Archiv der Masaryk-Universität Brno) Michaela Marečková fährt zum dritten Mal mit. Ziel ist erneut die Georg-Mendel-Polarstation. Diese tschechische Basis liegt auf der James-Ross-Insel vor der nordöstlichen Spitze der Antarktischen Halbinsel. Die Biologin packt ihr Gepäck. Sie hält eine GPS-Gerät hoch sowie eine Sonde:

„Damit wird der Sauerstoffgehalt in den Seen gemessen“, sagt die junge Wissenschaftlerin.

Marečková ist eine von drei Frauen im Team, insgesamt werden diesmal 13 Personen auf der Gregor-Mendel-Polarstation verbringen. Sie wollen vor allem die Phänomene des Klimawandels dokumentieren. Dazu gehören neben der Gletscherschmelze auch Veränderungen im Wasser von teils zugefrorenen antarktischen Seen. Zudem taut der Permafrostboden teilweise auf. Das wiederum beeinflusst die Mikrobiologie, mit der sich Michaela Marečková besonders beschäftigt. Sie zeigt ein weiteres kleines Gerät.

Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Tomáš Franta, Archiv der Masaryk-Universität Brno)Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Tomáš Franta, Archiv der Masaryk-Universität Brno) „Das muss man einfach nur an die Flechten und Moose halten, und durch die Strahlung wird dann die Photosynthese gemessen“, erläutert die Forscherin.

Mit im Gepäck hat Michaela Marečková zudem einige Teebeutel. Auf den Kartons steht: Nicht aufbrühen! Diese Beutel dienen nämlich einem weltweiten Experiment.

„Sie werden in der Erde vergraben. Zu Ende des Aufenthalts gräbt man sie wieder aus und wiegt sie. Damit wird festgestellt, wie viel Prozent des Tees sich während der Zeit zersetzt hat. Unter anderem werde ich Teebeutel von der Expedition des vergangenen Jahres wieder ausgraben müssen.“

Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Jan Russnák, Archiv der Masaryk-Universität Brno)Georg-Mendel-Polarstation (Foto: Jan Russnák, Archiv der Masaryk-Universität Brno)

Daniel Nývlt (Foto: Archiv der Masaryk-Universität Brno)Daniel Nývlt (Foto: Archiv der Masaryk-Universität Brno) Diese findet Marečková anhand der GPS-Daten wieder. Die Beutel dienen dazu, die Bodenaktivität zu messen – und auch die CO2-Emissionen. Die Methode ist wissenschaftlich anerkannt und soll Daten liefern aus vielen Gegenden der Welt.

Rund drei Monate bleiben die Wissenschaftler aus Brünn in der Südpolarregion. Sie knüpfen an die Arbeit vieler Vorgänger an, wie Expeditionsleiter Daniel Nývlt sagt:

„Mehr als 100 tschechische und slowakische Wissenschaftler waren schon dort. Wir haben unsere ersten Expeditionsreisen an diesen Ort unternommen, noch bevor die Station gebaut und dann 2007 offiziell eröffnet wurde.“

Dieses Mal wird es aber noch eine zweite Fahrt geben. Sie führt auf die Südlichen Shetlandinseln. Dort hat die Masaryk-Universität eine private Station gemietet, der Abenteurer Jaroslav Pavlíček hat sie vor mehr als 30 Jahren auf der Nelson-Insel angelegt. Nun müsse dort zunächst Ordnung geschaffen werden, sagt Daniel Nývlt:

Punta Arenas (Foto: Juan25, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Punta Arenas (Foto: Juan25, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) „An die Südlichen Shetlandinseln wird jede Menge Unrat angeschwemmt. Vor allem gelangt Plastik aus dem Südpazifik durch die Meeresströmung dorthin. Jaroslav Pavlíček hat dieses gesammelt und aufgehoben. Dieser Haufen muss ökologisch entsorgt werden.“

Dazu wird sich Ende Januar ein sechsköpfiges Team auf den Weg machen. Die erste Forschergruppe ist aber schon an diesem Freitag zu ihrer beschwerlichen Reise in die Antarktis gestartet. Zunächst geht es per Linienflüge bis nach Punta Arenas in Patagonien. Von dort nimmt sie ein weiteres Flugzeug auf die König-Georg-Insel mit. Das ehemalige chilenische Kriegsschiff „Aquiles“ bringt die 13 Tschechinnen und Tschechen dann noch näher an ihr Ziel. Doch das letzte Stück kann nur mit einem Hubschrauber bewältigt werden.