Geograph Vojtěch: Erster Tscheche in der Antarktis

Der Geograph Václav Vojtěch war der erste Tscheche, der in der Antarktis war. Vor 90 Jahren nahm er an einer Expedition des Amerikaners Richard Evelyn Byrd teil.

Václav Vojtěch (Foto: Archiv des Museums in Nový Bydžov)Václav Vojtěch (Foto: Archiv des Museums in Nový Bydžov) Václav Vojtěch stammte aus der ostböhmischen Gemeinde Skřivany. Er studierte Geographie und Geschichte an der Prager Karlsuniversität. Um Geld für sein Studium zu verdienen, arbeitete er zudem im Kreisarchiv. Vom Archiv wurde er 1922 nach Paris entsandt mit der Aufgabe, Dokumente über den Ersten Weltkrieg zu studieren.

In Paris erfuhr er damals viel über die tragische Expedition von Robert Scott zum Südpol im Jahr 1912. Seitdem zog es ihn in die Antarktis. Er kehrte dann nach Prag zurück, wo er 1927 den Doktor in Geschichte machte und begann, für eine Presseagentur zu arbeiten. Ende desselben Jahres erfuhr Vojtěch von den Plänen des US-amerikanischen Polarforschers Richard Byrd für eine Antarktis-Expedition. Er setzte sich mit ihm in Kontakt. Doch Byrd lehnte eine Beteiligung von Václav Vojtěch zunächst ab. Der gab aber nicht auf und fuhr extra nach Neuseeland, um den Expeditionsleiter zu treffen. So wurde der tschechische Historiker schließlich doch Mitglied der Expedition. Vojtěch sei dann auf einem der Expeditionsschiffe als Heizer angestellt worden, erzählt Michal Janouch. Er leitet die Polarsektion der Tschechischen Geographischen Gesellschaft.

Expeditionsschiff Byrds im schweren Packeis des Südpols (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09158 / CC-BY-SA 3.0)Expeditionsschiff Byrds im schweren Packeis des Südpols (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09158 / CC-BY-SA 3.0) „Vojtěch schrieb nach der Rückkehr ein Buch mit dem Titel ,Matrose, Heizer und Hundetrainer am Südpol‘. Darin erwähnte er, dass ihn bei der Reise auch Staatspräsident Tomáš Garrigue Masaryk, der Unternehmer Tomáš Baťa und weitere Persönlichkeiten finanziell unterstützt haben. Geholfen haben zudem das tschechoslowakische Außenministerium sowie das Bildungsministerium.“

Am 27. Januar 1929 erreichte Václav Vojtěch zusammen mit den anderen Expeditionsteilnehmern die Antarktis-Küste. Byrd wollte als erster Mensch den Südpol per Flugzeug überqueren. Vojtěch arbeitete in der Zwischenzeit nicht mehr als Heizer, sondern als Hundetrainer. Denn die Expeditionsmitglieder begaben sich neben dem Überflug des Südpols auch auf die Spuren von Amundsen begeben. Miroslav Janouch:

Václav-Vojtěch-Denkmal Jindřich Honzík, Wikimedia Commons, Public DomainVáclav-Vojtěch-Denkmal Jindřich Honzík, Wikimedia Commons, Public Domain „Die ganze Expedition dauerte zwei Jahre lang. Das Wetter spielte dabei eine große Rolle. Byrd wartete praktisch vom Januar bis November 1929 auf entsprechende Bedingungen, um das Flugzeug zusammen zu schrauben und vor dem Überflug zu testen. Denn bis heute gilt: In der Antarktis macht man nur einmal einen Fehler.“

Letztlich gelang der Überflug und die Umrundung des Südpols, und zwar am 28. und 29. November 1929. Die Expeditionsmitglieder wurden später vom amerikanischen Kongress ausgezeichnet, auch Václav Vojtěch erhielt eine sogenannte Goldmedaille. Als er wieder in der Tschechoslowakei war, berichtete er nicht nur in seinem Buch von seinen Erlebnissen am Südpolar, sondern auch bei vielen Vorträgen. Außerdem bereitete er sich auf eine weitere große Reise vor: Der 31-Jährige wollte sich dem Anthropologen Aleš Hrdlička anschließen, um das Klima und die Geologie in Alaska zu erforschen. Kurz vor der Abreise ertrank Vojtěch aber bei einer Paddeltour auf der Elbe nahe Sadská.

In seinem Geburtsort Skřivany erinnert eine Gedenktafel an den Polarforscher sowie eine Dauerausstellung im Stadtmuseum im nahen Nový Bydžov. Außerdem wird zu seinen Ehren jedes Jahr ein Hundeschlittenrennen im Riesengebirge veranstaltet.