Gelehrter und Pilger: Ausstellung über Olmützer Bischof Jindřich Zdík

Vor etwa 360 Jahren sie als Kriegsbeute nach Schweden gebracht. Seit einigen Tagen kann man die wertvolle mittelalterliche Handschrift nun an einem Ort besichtigen, in dessen Nähe sie im 12. Jahrhundert entstanden ist: Die Rede ist vom illuminierten „Horologium“ von Olmütz. Er ist das wertvollste Exponat einer Ausstellung über den Olmützer Bischof Jindřich Zdík.

Erzdiözesanmuseum OlmützErzdiözesanmuseum Olmütz Bischof Jindřich Zdík gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Geboren wurde er um 1083. Über seine Herkunft weiß man nichts Genaueres. Einige vermuten, dass er aus dem Přemyslidengeschlecht stammt. Andere Historiker wiederum halten ihn für den Sohn des Prager Chronisten und Dekans Kosmas. Zum Bischof von Olmütz / Olomouc wurde der gebildete Kirchenmann 1126 geweiht. Ab diesem Zeitpunkt ist die mährische Stadt für Jahrzehnte zu einem Kulturzentrum des ganzen Landes geworden. Zdík sei eine hervorragende Persönlichkeit im europäischen Maßstab gewesen, sagt der Pressesprecher des Kunstmuseums in Olmütz, Petr Bielesz:

´Horologium´ von Olmütz´Horologium´ von Olmütz „Er hatte damals Freunde unter den europäischen Herrschern und war auch mit den Päpsten befreundet. Gute Kontakte pflegte er beispielsweise mit dem Theologen vom Zisterzienserorden Bernhard von Clairvaux. Zdík unternahm als erster Tscheche eine Pilgerfahrt nach Jerusalem und das gleich zweimal. Dank dieser Reisen knüpfte er viele Kontakte. So gelang es ihm, sehr gute Maler nach Olmütz einzuladen. Sie hatten dort in dem von Zdík gegründeten Skriptorium gearbeitet. Dank dessen können wir hier heutzutage herrliche mittelalterliche Handschriften bewundern, darunter vor allem das so genannte ´Horologium´ von Olmütz. Diese Schrift wurde von den ersten Malern bei uns geschmückt, die nicht anonym sind. Sie hießen Hildebert und Everwin.“

Das Horologium von Olmütz entstand in den 30er und 40er Jahren des 12. Jahrhunderts. Die wertvolle Handschrift wurde während des Dreißigjährigen Kriegs von den Schweden geraubt. Nach langen Verhandlungen sei es gelungen, das Kirchenbuch von der Königlichen Bibliothek in Stockholm für einige Zeit auszuleihen, sagt Petr Bielesz. Dies sei der Hauptanlass für die Ausstellung über Bischof Zdík gewesen:

„Die Schweden haben uns im Zusammenhang mit der Ausstellung ermöglicht, das Kirchenbuch eingehender zu erforschen, was bisher nicht möglich war. Wir haben dabei entdeckt, dass darin unter anderem die damalige Liturgiemusik beschrieben ist. Aufgrund der Notation hat die Schola Gregoriana aus Brünn diese liturgischen Gesänge aufgenommen. Die CD-Aufnahme ist Bestandteil des Bildbands, der anlässlich des Ausstellung herausgegeben wurde.“

Neben dem aus Schweden ausgeliehenen Olmützer Horologium kann man in der Ausstellung auch weitere Handschriften bewundern, die in der Schreibwerkstatt von Bischof Zdík entstanden sind. Das größte Exponat ist Petr Bielesz zufolge der romanische Palast von Bischof Zdík selbst, der früher eher als der Přemyslidenpalast bekannt war.

Die Ausstellung „Jindřich Zdík, der Olmützer Bischof inmitten Europas“ ist im Erzdiözesanmuseum in Olmütz bis 3. Januar 2010 zu sehen.