Gegen die Medienmacht der Oligarchen

13-02-2019

Unabhängige Medien zu unterstützen und die Pressefreiheit zu verteidigen, das ist eines der Ziele des Internationalen Presseinstituts (IPI). Seit Dienstag hat es auch einen Ableger in Tschechien. Zu den Gründern gehört auch Veronika Sedláčková vom Tschechischen Rundfunk. Radio Prag hat mit der Journalistin gesprochen.

Seit seiner Gründung im Jahr 1950 bemüht sich das Internationale Presseinstitut (IPI), unabhängigen Journalismus zu unterstützen. Das Institut ist vor allem auch für Journalisten aus jenen Ländern da, in denen Pressefreiheit nicht selbstverständlich ist. Das sagt Veronika Sedláčková, sie arbeitet für den Informationskanal „Plus“ des Tschechischen Rundfunks. Gemeinsam mit Kollegen von anderen Medien hat sie den tschechischen Ableger des Internationalen Presseinstituts gegründet.

Veronika Sedláčková (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Veronika Sedláčková (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Wir sind davon überzeugt, dass hierzulande Pressefreiheit herrscht. Wir wissen aber alle, was sich beispielsweise in Polen und in Ungarn abspielt. Pressefreiheit ist nicht selbstverständlich. Angriffe auf Medien, die versuchen, unabhängig zu sein, sind auch in Tschechien möglich.“

Veronika Sedláčková findet es zudem wichtig, dass sich Journalisten nicht nur aus Sorge um die Pressefreiheit zusammenschließen, sondern auch wegen des Wunsches nach wirklich guter Medienarbeit. Die Mitglieder der tschechischen IPI-Zweigstelle wollen das Geschehen hierzulande verfolgen und immer dann zur Verfügung stehen, wenn jemand Hilfe oder Rat braucht. Sedláčková glaubt, dass gute journalistische Arbeit definiert werden muss.

„In einer Zeit, in der russische Propaganda über Social Media stark verbreitet wird, erkennen die Menschen die Unterschiede nicht mehr. Sie wissen nicht, was gute journalistische Arbeit ist, und was entweder reine Fake News sind oder Nachrichten, die den Wünschen des Auftraggebers angepasst wurden.“

Andrej Babiš (Foto: Martin Strachoň, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Andrej Babiš (Foto: Martin Strachoň, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) Zur derzeitigen Lage im tschechischen Journalismus nennt Sedláčková zwei Dinge. Zum einen sei es bisher nicht gelungen, die Folgen der Finanzkrise von 2008 zu überwinden. Die Kürzungen in den Redaktionen würden sich auf die Arbeit in den Medien negativ auswirken, so die Journalistin. Zum anderen sagt sie:

„Einer der bedeutendsten Politiker Tschechiens, Premier Andrej Babiš, hat 2013 das große Verlagshaus Mafra gekauft. Wir wissen, dass dies den Journalismus in der ganzen Tschechischen Republik beeinflusst hat. Auch wenn Andrej Babiš bestreitet, in einem Interessenkonflikt zu stehen, ist bekannt, dass sich auch die EU-Kommission damit beschäftigt. Aus dem Grund lässt sich zu Recht befürchten, dass die Medien hierzulande immer mehr in die Hände von Oligarchen geraten und dann als Mittel für die Durchsetzung von deren Interessen genutzt werden. Darum ist es notwendig, Journalistinnen und Journalisten zu unterstützen, die unabhängig sein wollen.“

Nachdem Andrej Babiš das Verlagshaus Mafra erworben hatte, haben viele Redakteurinnen und Redakteure die beiden großen Tageszeitungen Mladá fronta Dnes und Lidové noviny verlassen. Viele von ihnen gründeten neue Medien wie beispielsweise die Online-Aufdeckungszeitung Neovlivní oder das Wochenmagazin Echo.

„Ich halte es für eine hervorragende Nachricht, dass die Menschen nicht resigniert haben, sondern sich bemühen, ihre journalistische Arbeit weiter zu machen – auch wenn sie nicht mehr in der meistgelesenen Tageszeitung wie der Mladá fronta Dnes arbeiten. Aber weiter besteht die Frage, ob es tragbar ist, dass gerade große Tageszeitungen weiterhin in den Händen desjenigen bleiben, der den Betrieb in diesen Medien beeinflussen kann.“

13-02-2019