Gedenkstunde zum Maiaufstand 1945

05-05-2004

Tschechien gedenkt auch an diesem 5. Mai der Opfer des Prager Maiaufstands am Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor 59 Jahren hatten Tschechen in ihrer Hauptstadt zu den Waffen gegriffen und waren gegen die deutschen Besatzer gezogen. Rund um das Rundfunkgebäude kam es dabei zu den heftigsten Kämpfen. Daniel Satra berichtet.

Gedenkstunde zum Maiaufstand 1945Gedenkstunde zum Maiaufstand 1945"Kranzträger, greift zum Kranz!"
Der Senatsvorssitzende Petr Pithart und Premier Vladimír Spidla legen in einer Gedenkstunde Kränze am Gebäude des Tschechischen Rundfunks nieder. Sie gedachten damit der Opfer des Prager Maiaufstandes vor 59 Jahren, die bei den Kämpfen um das Rundfunkgebäude ums Leben gekommen waren. Spidla forderte in seiner Ansprache dazu auf, den Aufstand nicht als Alibi-Kampf in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zu bagatellisieren. Es sei ein ernster und wichtiger Aufstand gegen die deutschen Besatzer gewesen. Rundfunkgeneraldirektor Václav Kasík sagte in seiner Rede:

Rundfunkgeneraldirektor Václav KasíkRundfunkgeneraldirektor Václav Kasík"Wir gedenken derer, die in den bewegten Momenten unserer jüngeren Geschichte ihr Leben gelassen haben. Ich verbeuge mich vor allen, die um den Rundfunk gekämpft haben, denn sie haben für die Freiheit gekämpft, denn dieses Symbol trägt der Rundfunk in sich."

Nur 23 Jahre später, nach dem Einmarsch der Warschauer Pakttruppen im August 1968, starben erneut Menschen, die das Rundfunkgebäude gegen eine Übernahme verteidigt hatten, sagte Kasík. Es gelte alles zu unternehmen, damit nie wieder um den Tschechischen Rundfunk gekämpft werden müsse. Auch Kriegsveteranen waren gekommen. Der 87-jährige Edvard Marek erinnert sich, wie er die letzten Tage des Maiaufstands im Prager Stadtteil Karlin erlebte:

Premier Vladimir SpidlaPremier Vladimir Spidla"Wir haben Waffen und Kämpfer aufgetrieben, und haben sie zum Rundfunk geschickt. Denn wir hatten eine Abmachung mit den deutschen Soldaten in Karlin, dass sie nicht auf uns schießen werden, das waren Österreicher, die mit uns problemlos tschechisch gesprochen haben. Also konnten wir ganz in Ruhe Kämpfer und Waffen an den Karliner Kasernen vorbei und zum Rundfunk bringen. Das war wohl also mein Kampf um den Rundfunk."

In einem Gespräch mit Radio Prag vor der Gedenkveranstaltung am frühen Nachmittag sagte Premier Vladimir Spidla:

"Wir sind die erste Generation, die ihr ganzes Leben in Frieden lebt. Das ist etwas so Einzigartiges, dass wir es noch nicht beurteilen können. Der EU-Beitritt ist eine historische Wende. Denn vor diesem neuen Europa beherrschten Kriege, die Liquidierung von Minderheiten und Kämpfe den Kontinent."

 

05-05-2004