Fußball-Tschechien jubelt: Pavel Nedved ins Auswahlteam zurückgekehrt

08-11-2005

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, heißt es immer wieder. Warum? Weil über das Spiel mit dem runden Leder Tag für Tag Zigtausendfach diskutiert wird, weil bei ihm scheinbar selbst nebensächliche Dinge ein riesiges Medieninteresse hervorrufen können. So wie am Montag in Prag, als Pavel Nedved, der Fußballer Europas des Jahres 2003, seine Rückkehr in die tschechische Nationalmannschaft besiegelte. Lothar Martin war für Radio Prag bei der "gewichtigen Pressekonferenz" dabei.

Pavel Nedved (Foto: CTK)Pavel Nedved (Foto: CTK) Es passierte im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal: Pavel Nedved setzte zum Torschuss an, wurde dann aber von einem Griechen so daran gehindert, dass er sich beim Zusammenprall unglücklich das Knie verdrehte. Die lange Leidenszeit seiner Verletzung zwang den blondmähnigen Ausnahmekicker zum Nachdenken. Er wolle die Doppelbelastung in Club und Auswahl solange auf seinen Verein Juventus Turin reduzieren, bis er wieder völlig fit und genesen sei, erklärte Nedved im vorigen Herbst. Eine Aussage, die hierzulande respektiert wurde, die aber auch ihre Kritiker fand. Und die traten sogleich auf den Plan, als Nedved bei Juventus wieder glänzend spielte, das tschechische A-Team jedoch ohne ihn zunächst nicht zu überzeugen wusste. Um die Kritiker verstummen zu lassen, erklärte Nedved seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Eine Entscheidung, an der erst gerüttelt wurde, als Tschechien in der Endphase der WM-Qualifikation viele verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen hatte. Vor einem möglichen Einsatz gegen die Niederlande und in Finnland zierte sich Nedved allerdings noch, u. a. mit der wiederholt fadenscheinigen Begründung, mit Nationaltrainer Karel Brückner zuvor anderweitige Absprachen getroffen zu haben. Die tschechische Fußballnation war jetzt vollends gespalten in der Frage, ob Nedved noch einmal in die Landesauswahl zurückkehren sollte oder nicht. Eine Frage, die Nedved nun selbst mit "Ja" beantwortet hat. Seine neueste Entscheidung hat er vor einer riesigen Journalistenschar wie folgt begründet:

Auswahlcoach Karel Brückner, Pavel Nedved (Foto: CTK)Auswahlcoach Karel Brückner, Pavel Nedved (Foto: CTK) "Ich habe mich für die Rückkehr entschieden, weil ich noch einmal in der Nationalmannschaft spielen wollte, denn das war immer eine Ehre für mich. Ich weiß es zu schätzen, dass ich von Trainer Brückner für die Relegation nominiert wurde. Als wir davor jeweils miteinander gesprochen haben, habe ich mich nicht in der optimalen Verfassung gefühlt, die WM-Qualifikation zu spielen. Aber was die Relegation betrifft, so hat mich der Trainer ins Aufgebot berufen, und ich denke, der Mannschaft in den zwei Partien gegen Norwegen auch helfen zu können. Da ich gesundheitlich keine Probleme habe, freue ich mich, dabei sein zu können."

Auch Auswahlcoach Karel Brückner sah man zufrieden wie lange nicht:

"Ich habe über diese Rückkehr ein gutes Gefühl. Ich habe stets betont, auch wenn Pavel 100 Mal nein gesagt hat, dass die Tür für ihn weiterhin offen bleibt. Das gesamte Team, und das wird Pavel gespürt haben, hat ein gutes Gefühl, dass er jetzt zurück ist."

Und fast energisch fügte Brückner hinzu:

"Und ich auch. Denn ich würde es für mich persönlich als einen großen Misserfolg werten, wenn Pavel nicht zurückgekehrt wäre."

Der König unter den böhmischen Löwen, wie man Tschechiens Repräsentanten aufgrund des Nationalemblems auch nennt, ist also zurück. Mit welchen Erwartungen die tschechischen Fußballer jedoch nun den entscheidenden Relegationsspielen gegen Norwegen entgegen sehen, das erfahren Sie in unserem Sportreport am Mittwoch.

08-11-2005