Freiheitsfest und Gedenken

06-05-2019

In Tschechien wurde am vergangenen Wochenende an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 74 Jahren erinnert.

Convoy of Liberty (Foto: ČTK / Miroslav Chaloupka)Convoy of Liberty (Foto: ČTK / Miroslav Chaloupka)

Foto: ČTK / Miroslav ChaloupkaFoto: ČTK / Miroslav Chaloupka Die größte Veranstaltung gab es traditionell in Plzeň / Pilsen. Das „Freiheitsfest“ gipfelte mit dem sogenannten Convoy of Liberty. Dabei fuhren 260 vorwiegend historische Militärfahrzeuge US-amerikanischer, britischer und kanadischer Bauart durch die Stadt. An der Spitze des Konvois waren Fahrzeuge mit zehn Kriegsveteranen aus den USA und aus Belgien, sie waren alle an der Befreiung der Stadt im Mai 1945 beteiligt. James Duncan war einer von ihnen:

„Meine Gefühle in Bezug auf die Tschechen lassen sich einfach beschreiben: Ich schätze die hiesigen Bewohner sehr. Denn sie haben ihr Land zweimal gegen Deutschland verteidigt. Ihr Beitrag zu unserer Freiheit in den USA war wohl größer als unser Beitrag zur Freiheit der Tschechen.“

Feier vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks in Prag (Foto: ČTK / Michaela Říhová)Feier vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks in Prag (Foto: ČTK / Michaela Říhová) Etwa 17.000 Menschen säumten laut den Organisatoren beim „Freiheitsfest“ in Pilsen die Straßen.

Deutlich kleiner war die Feier vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks in Prag. Dort wurde am Sonntag wie jedes Jahr an den Prager Aufstand erinnert. Am frühen Morgen des 5. Mai 1945 verkündete der Tschechische Nationalrat, dass er die Macht im Land übernommen habe und das sogenannte „Protektorat Böhmen und Mähren“ zu Ende sei. Um sechs Uhr morgens begann der Hörfunk in tschechischer Sprache zu senden und verbotene tschechische Lieder zu spielen. Die Deutschen versuchten, den Rundfunk mit Gewalt zurückzuerobern. Es kam zur Schlacht ums Funkhaus. An dieser war auch Petr Heydušek beteiligt. Als 15-Jähriger kam er am besagten Tag zusammen mit seinem Vater in die Vinohradská-Straße:

Jaroslav Kubera (Foto: ČTK / Michaela Říhová)Jaroslav Kubera (Foto: ČTK / Michaela Říhová) „Ein deutscher Soldat warf aus dem zweiten oder dritten Stock des Hauses gegenüber Granaten vor den Eingang zum Funkhaus. Es sollte niemand hineingehen können.“

Doch gerade der Rundfunk mobilisierte mit seinem Aufruf gegen die Nazis. Dies habe eine Schlüsselrolle beim Aufstand gespielt, erinnerte der Senatsvorsitzende Jaroslav Kubera (Partei Ano) in seiner Ansprache am Sonntag:

„Mehrere dramatische Ereignisse in der Geschichte des Tschechischen Rundfunks haben einen gemeinsamen Nenner gehabt: der Kampf gegen ein totalitäres Regime und für die Demokratie. Es gibt kein größeres Opfer, als sein eigenes Leben dafür zu geben.“

Zdeněk Hřib (Foto: ČTK / Michaela Říhová)Zdeněk Hřib (Foto: ČTK / Michaela Říhová) Zwei Gedenktafeln am Eingang nennen heute die Namen von 170 Menschen, die 1945 beim Kampf ums Funkhaus starben. Der Prager Oberbürgermeister Zdeněk Hřib (Piraten) hob am Sonntag den Mut der Gefallenen hervor:

„Ganz Europa feierte damals schon das Kriegsende und den Sieg über den Faschismus, aber in Prag wurde immer noch gekämpft. Mehrere zehntausend Menschen entschlossen sich, nicht abzuwarten, bis eine der vorrückenden Armeen der Alliierten sie befreien würde. Sie haben gehandelt und das eigene Schicksal sowie das ihrer Stadt in ihre Hand genommen.“

Vier Tage lang wurde im Mai 1945 an zahlreichen Orten in Prag gekämpft. Fast 3000 Menschen kamen dabei ums Leben.

06-05-2019