Filmregisseur Ivan Passer ist tot

13-01-2020

Der tschechische Regisseur und Drehbuchautor Ivan Passer starb am vergangenen Donnerstag in Reno in den USA im Alter von 86 Jahren.

Ivan Passer (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Ivan Passer (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Intime Beleuchtung“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)„Intime Beleuchtung“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary) Der Filmregisseur und Drehbuchautor Ivan Passer war ein führender Vertreter der experimentellen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films. 1965 drehte er seinen ersten und wichtigsten abendfüllenden Streifen: „Intime Beleuchtung“ (Intimní osvětlení). Filmexpertin Eva Zaoralová gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Als Passer seinem Film ‚Intime Beleuchtung‘ herausbrachte, war das für uns wie eine Offenbarung. Es ist ein außergewöhnliches und hervorragendes Werk. Auch heute würden sich sehr viele Zuschauer freuen, wenn der Film jeden Monat liefe oder zumindest ein paar Mal im Jahr.“

Das Drehbuch basiert auf einer Erzählung von Bohumil Hrabal. Es schildert in langsamem Tempo das Treffen zweier ehemaliger Mitschüler aus einem Musik-Konservatorium. Dabei sieht der Zuschauer, wie die Lebensvorstellungen und Ideale der beiden an der Wirklichkeit scheitern. Passer hat die Rollen fast ausschließlich mit nichtprofessionellen Schauspielern besetzt. „Intime Beleuchtung“ gilt als einer der Klassiker der Tschechoslowakischen Neuen Welle.

„Die Liebe einer Blondine“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)„Die Liebe einer Blondine“ (Foto: Tschechisches Fernsehen) Seit den 1960er Jahren arbeitete Ivan Passer mit Miloš Forman zusammen, er war an den Drehbüchern zu Formans Filmen „Die Liebe einer Blondine ((Lásky jedné plavovlásky) und der „Der Feuerwehrball“ (Hoří, má panenko) beteiligt.

Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei emigrierten beide zusammen in die USA. 2016 erinnerte sich Ivan Passer gegenüber dem Tschechischen Rundfunk:

„Wir hatten nach dem Einmarsch Angst, dass die Grenze zugesperrt wird und dass wir nie mehr wieder einen Film machen dürfen. Denn die kommunistische Partei hatte unseren Film ‚Der Feuerwehrball‘ auf ihrem Parteitag kritisiert. Wir haben uns gesagt: Wir müssen weg.“

Sie lebten zunächst gemeinsam in New York. Der gute Ruf des tschechoslowakischen Kinos im Ausland habe ihnen damals geholfen, sagte Passer in dem Rundfunk-Interview von 2016:

„Wir wurden von dortigen Universitäten zu Vorträgen eingeladen und dafür immer mit 500 US-Dollar bezahlt. Das war für uns viel Geld.“

„Cutter's Way“ (Foto: United Artists)„Cutter's Way“ (Foto: United Artists) Später zog Ivan Passer nach Los Angeles. Miloš Formans Ehepartnerin Martina Formanová erinnerte sich an die Treffen der Familien in den USA:

„Immer wenn ich und Miloš in LA waren, haben wir uns mit ihnen zu einem gemeinsamen Abendessen getroffen. Wir hatten dort einen tschechisch-amerikanischen Freundeskreis, zu dem auch Ivan und seine Frau gehörten. Es waren immer sehr schöne Treffen, und Ivan Passer war ein witziger Erzähler. Es tut mir weh, dass es ihn nicht mehr gibt.“

Insgesamt 15 Filme drehte Ivan Passer in den USA. Sein wichtigster Streifen in Hollywood wurde „Cutter's Way“ von 1981, darin geht es um einen Vietnam-Veteranen. 1992 drehte der Regisseur das Biopic „Stalin“. 2006 erhielt Ivan Passer den Filmpreis „Tschechischer Löwe“ für sein Lebenswerk.

13-01-2020