„Faust“ in Prag mit Lkw und Gesang

Nach 20 Jahren bringt das Nationaltheater wieder Goethes „Faust“ auf die Bühne. Es handelt sich um die achte Inszenierung des berühmtesten Dramas in der Geschichte des Theaters.

Faust (Foto: ČTK)Faust (Foto: ČTK) „Der Verkauf der eigenen Seele an das Böse: Das Thema bietet eine starke dramatische Situation. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, fühlt man sich durch dieses Thema herausgefordert und will sich damit auf der Bühne auseinandersetzen.“

Das sagt die Dramaturgin des Nationaltheaters, Marta Ljubková. Bei „Faust“ denken die meisten an den ersten Teil, an die Gretchen-Geschichte und an Fausts Wette gegen Mephisto. In der neuen Inszenierung wird aber auch der viel schwierigere, mit Allegorien gefüllte zweite Teil gezeigt. Ljubková bezeichnet Goethes „Faust“ als ein kompliziertes und schwer aufführbares dramatisches Gedicht. Die Geschichte eines Menschen, der sich danach sehnt, die Ewigkeit sowie die Liebe kennenzulernen und das gesamte Wissen zu erfassen, sei aber trotzdem sehr aktuell.

Faust (Foto: ČTK)Faust (Foto: ČTK) „Die Handlung des ‚Faust‘ spielt sich in einer Spanne von mehreren Jahrtausenden ab, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft. Wir haben daher die heutige Gegenwart zum Ausgangspunkt genommen. Meiner Meinung nach lässt sich dies bei einem großen Teil der Theaterstücke machen, ohne sie dabei zu vergewaltigen. Bei ‚Faust‘ geht es deutlich einfacher als etwa bei manchen Dramen von Shakespeare.“

Faust erscheint auf der Bühne als großer Mann mit langen blonden Haaren und extravaganter Kleidung. Die Bühne wird in der ersten Hälfte des Stückes von einem Lkw dominiert. Der Lastwagen verwandelt sich unter anderem in einen Nachtklub mit halbnackten Tänzerinnen und in einen Stand mit frisch gedrucktem Papiergeld. Die Vorstellung dauert über drei Stunden. Dabei wechseln die Hauptdarsteller vom klassischen Schauspiel zum Gesang und singen auch in einem Chor mit.

Faust (Foto: ČTK)Faust (Foto: ČTK) Regisseur Jan Frič präsentiert am Nationaltheater seine Variante des „Faust“. Seine ursprüngliche Idee habe er jedoch im Laufe der Vorbereitung mehrfach abwandeln müssen, sagt Jan Frič.

„Theateraufführungen sind vor allem ein Kompromiss. Bei dieser Riesensache mussten verschiedene Zugeständnisse gemacht werden. Während der Proben haben wir neue Möglichkeiten entdeckt und sind von unseren ursprünglichen Vorstellungen abgewichen. Letztlich sind wir zu einer Art Schau gelangt.“

Frič zufolge hatte sich auch schon Goethe eine Bühneninszenierung mit vielen Effekten gewünscht. Goethes Drama wurde für die neue Aufführung neu übersetzt. Zwar wurde die Versform beibehalten, dennoch spricht Übersetzer Radek Malý von einer freien Adaptation dieses literarischen Werkes.