Expedition Spitzbergen: "Nach zwei Tagen riss das erste Zelt."

Vier Tschechen, durch einen speziell trainierten Hund aus Longyerbyen Namens Zan ergänzt, haben im vergangenen Monat ihre Fähigkeiten im Rahmen der Expedition "Spitzbergen 2007" getestet. Diese Vorbereitungstour hat das Team der Polarforscher vor der geplanten großen Expedition zum magnetischen Nordpol unternommen. Nach der Rückkehr nach Prag sprach Martina Schneibergova mit dem Expeditionsleiter Ondrej Kotas:

Die Expedition "Spitzbergen 2007" musste vorzeitig abgebrochen werden. Aus welchen Gründen? Was ist dort passiert?

"Expedition ist vielleicht zu viel gesagt, es war für uns eher eine Art Trainingstour. Wir haben diese Tour aus dem einfachen Grund abbrechen müssen, weil das Wetter nicht mitgespielt hat. Unsere Ausrüstung war dafür nicht vorgesehen. Schon nach zwei Tagen ist das erste Zelt gerissen, am dritten Tag das zweite. Deshalb mussten wir diese Trainingsexpedition abbrechen."

Warum waren sie nicht vorbereitet und wie bricht man eine solche Expedition überhaupt ab?

Die Temperatur war zunächst nicht das Problem. Wir haben mit minus 40 bis 45 Grad gerechnet. Allerdings kam dann noch ein starker Wind hinzu mit einer Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern. Das hat die Temperatur dann nochmal auf 50 Grad minus sinken lassen. Die Temperaturen waren also schon extrem. Aber abgebrochen haben wir nicht, weil es so kalt war, sondern weil zwei unserer Zelte einfach nicht mehr funktionstüchtig waren. Und zu viert in einem Zelt zu sein, das auch zu reißen droht, ist sehr gefährlich. Und dieses Risiko wollten wir nicht eingehen. Ein Hubschrauber hat uns dann aus dem Schneechaos befreit. Aber wir haben uns selbst sowie unsere Ausrüstung unter den härtesten Bedingungen getestet, so dass das Ziel praktisch erreicht war."

Ich habe gelesen, dass Sie sogar auch ein paar Eisbären gesehen oder getroffen haben. Stimmt das?

"Ja, das stimmt. Es war wirklich ein Eisbärenpaar - also ein Männchen und ein Weibchen, wie wir später raus gefunden haben. Wir waren etwa ein Kilometer von ihnen entfernt und haben gehört, wie das Männchen laut brüllte. Aber es war ein tolles Erlebnis."

Sie haben auch einen speziell trainierten Hund mitgenommen. Wie hat es mit diesem Hund funktioniert. Hat er sie vor den Eisbären gewarnt?

"Die Eisbären waren damals relativ weit weg, und der Hund hat sich noch keine Sorgen gemacht. Der Hund war für den Fall da, dass der Bär zu nahe an die Zelte herankommen würde. Dann hätte dort eine unmittelbare Gefahr gedroht. Aber sonst war es mit ihm ganz lustig, eine Bereicherung für uns alle."

Tat es Ihnen nicht leid, sich von diesem Hund verabschieden zu müssen?

"Ja. Denn wir waren mit ihm schon zehn Tage zusammen und sind wirklich zu einem guten Team zusammengewachsen. Einer von uns hat sich besonders um den Hund gekümmert, ihm viel der Abschied noch schwerer als uns anderen."

Foto: www.cestynasever.cz