Ex-Mitspieler Meixner: Vlastimil Bubník war ein sportliches Genie

Der tschechische Sport trauert über den Verlust eines ganz Großen aus seiner Mitte: Im Alter von 83 Jahren verstarb am Dienstag der frühere Eishockey- und Fußballspieler Vlastimil Bubník. Mit ihm ging der wohl letzte ehemalige Spitzensportler des Landes, der es geschafft hatte, in zwei populären Sportarten gleichzeitig international erfolgreich zu sein. Der Grundstein dafür liegt in der gesellschaftlich tief verankerten Sportbewegung in der Tschechoslowakei vor und nach dem Krieg.

Vlastimil Bubník (Foto: ČTK)Vlastimil Bubník (Foto: ČTK) Vlastimil Bubník wurde 1931 im mährischen Kelč geboren. In den 1950er und 1960er Jahren wurde er zum Idol des Brünner Sports, denn er spielte sowohl im städtischen Eishockey- wie auch im Fußballteam. Die größeren Erfolge hatte er dabei im Spiel mit dem Puck. Als Kapitän des Eishockeyclubs Rudá hvězda Brünn, der 1962 in ZKL Brünn umbenannt wurde, gewann er alle elf Meistertitel, die dieser Verein bis heute errungen hat. In der Liga erzielte er 300 Tore in 330 Spielen, sehr zur Freude der Fans und auch der Sportreporter.

Einer von Bubníks damaligen Mitspielern war Jaromír Meixner. Der inzwischen 74-Jährige war an fünf Titelgewinnen beteiligt. Noch heute schwärmt er vom großartigen Zusammenspiel mit Bubník:

Jaromír Meixner (Foto: ČT24)Jaromír Meixner (Foto: ČT24) „Was soll ich Ihnen sagen, mit Bubník zusammenzuspielen, das war einfach ein Genuss. Wenn ich an der Scheibe war, dann wusste er immer schon, wo er hinzulaufen hatte, damit ich ihn gut anspielen konnte. Wir haben vorher nie mögliche Varianten unseres Kombinationsspiels miteinander besprochen, denn Bubník hatte den angeborenen Instinkt dafür, in jedem Moment stets das Richtige zu tun.“

Diese Gabe hat Vlastimil Bubník auch international Ruhm und Erfolg gebracht. Für die tschechoslowakische Eishockey-Nationalmannschaft bestritt der Flügelstürmer 127 Spiele, in denen er nicht weniger als 121 Tore markierte. Bei Weltmeisterschaften gewann Bubník einmal Silber und zweimal Bronze, hinzu kommt die olympische Bronzemedaille von 1964 in Innsbruck. Aufgrund seiner starken Leistungen bei vier Olympiateilnahmen war Bubník viele Jahre der erfolgreichste Scorer in der Geschichte der olympischen Eishockeyturniere. Erst 2010 in Vancouver nahm ihm der Finne Teemu Selänne diesen Rekord. Zu diesem Anlass aber habe die internationale Eishockeywelt auch in höchsten Tönen von Vlastimil Bubník gesprochen, sagt der Präsident des tschechischen Eishockeyverbandes, Tomáš Král.

Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Doch auch im Fußball hat Bubník sichtbare Spuren hinterlassen. Neben seiner Liga-Karriere für Zbrojovka Brünn stand er elfmal in der tschechoslowakischen Nationalelf und erzielte dabei vier Treffer. 1960 gewann er mit der ČSSR-Auswahl das Spiel um Platz drei im Pokal der Nationen, dem Vorläufer der heutigen Europameisterschaft. Von Bubníks Multitalent war auch Jaromír Meixner beeindruckt:

„Vlastimil war ein sportliches Genie. Er war ein Mensch, dem im Sport einfach alles gelang. Er war ein ausgezeichneter Eishockeyspieler, und ich wage zu behaupten, dass es in unserem Land mit Ausnahme von Jaromír Jágr nie einen besseren gegeben hat. Auch im Fußball hat er es bis zum Nationalspieler gebracht. Er hat zudem auch sehr gut Tennis und Basketball gespielt. Mutter Natur hat ihn mit so viel Talent gesegnet, das war einfach unglaublich.“

Vlastimil Bubník (Foto: Archiv HC Kometa Brünn)Vlastimil Bubník (Foto: Archiv HC Kometa Brünn) Für seine unglaublich guten Leistungen im Eishockey wurde Vlastimil Bubník 1997 in die Hall of Fame des Welteishockeyverbandes (IIHF) aufgenommen und elf Jahre später ebenso in die Ruhmeshalle des nationalen Verbandes. Im mährischen Brno / Brünn wird er auf ewig als größtes Idol in der Geschichte des örtlichen Vereins gepriesen. Zum Andenken an ihn werden die Spieler des heutigen HC Kometa zum Ligaspiel am Freitag gegen Třinec mit Trauerflor auflaufen. Bubník wird in Brünn auch wegen seiner Demut und Bescheidenheit verehrt. Er selbst hat seine Motivation einmal so definiert:

„Wir haben uns bemüht, stets so zu spielen, dass die Zuschauer zufrieden sind.“