Ex-Eiskunstläufer Verner hofft auf faire Winterspiele

An den XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang nehmen 67 Sportler und 26 Sportlerinnen aus Tschechien teil. Einige von ihnen haben berechtigte Medaillenchancen.

Tschechisches Haus in Pyeongchang (Foto: ČTK)Tschechisches Haus in Pyeongchang (Foto: ČTK) Die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang haben begonnen. Einige Stunden vor ihrer feierlichen Eröffnung aber machte vor Ort schon eine andere Einrichtung ihre Pforten auf. Die Rede ist vom Tschechischen Haus, das tschechische Olympioniken seit 1992 nicht mehr missen wollen. Es befindet sich direkt neben einem Komplex des olympischen Dorfes in der Küstenstadt Gangneung. Seit den Sommerspielen 2012 in London ist es schließlich zu einer guten Tradition geworden, dass auch Sportfans und internationale Gäste das Tschechische Haus besuchen können. Daran hält man auch in Südkorea fest, sagt der Chef des tschechischen Olympiateams, Martin Doktor:

„Das Tschechische Haus ist eine Stätte, in der die Athleten relaxen sowie ihren Fans begegnen können. Da der Hauptkomplex des olympischen Dorfes direkt nebenan steht, müssen die Sportler nur die Straße überqueren, um hier einzukehren. Und weil die Leuchtreklametafel des Hauses ständig in Betrieb ist, können wir ihnen auch Botschaften zukommen lassen. Wir sehen uns ja eigentlich direkt in die Augen.“

Tomáš Verner (Foto: ČTK)Tomáš Verner (Foto: ČTK) Vor allem aber dient das Tschechische Haus einem Zweck: Hier sollen die Medaillengewinner gebührend gefeiert werden. Vor vier Jahren in Sotschi gab es dazu reichlich Anlass, denn die tschechischen Athleten erkämpften acht Medaillen, darunter zwei goldene. Das war das beste Ergebnis der Wintersportler überhaupt. Für ihn sei dies aber kein Gradmesser, sagt der ehemalige Eiskunstläufer Tomáš Verner:

„Ich will nicht sagen. ob wir nun mehr Medaillen gewinnen werden oder weniger. Ich denke, wir können Medaillen holen, und dafür haben wir auch sieben Anwärter. Wenn alles sehr gut klappt, könnte es bis zu sieben Mal Edelmetall für uns geben, doch im Sport ist alles möglich.“

Beispielsweise könnte Eisschnellläuferin Martina Sáblíková so auch als erfolgreichste tschechische Olympionikin aller Zeiten aus Pyeongchang nach Hause kommen. Bei ihren bisherigen drei Olympiateilnahmen hat sie dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze gewonnen. Ein weiterer Olympiasieg würde sie also am legendären Emil Zátopek vorbeiziehen lassen. Der Langstreckenläufer hat 1948 und 1952 insgesamt vier Olympiasiege errungen und noch einen zweiten Platz belegt. Wegen latenter Rückenschmerzen konnte die 30-jährige Sáblíková indes vor Weihnachten zwei Monate lang nicht trainieren. Von daher schraubt Verner die Erwartungen auch ein wenig zurück:

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)Martina Sáblíková (Foto: ČTK) „Sicher, Sáblíková sollte eine Medaille holen, denn sie ist und bleibt eine große tschechische Hoffnung. Aber sie muss nicht zwangsläufig triumphieren, trotz ihrer Erfolge in der Vergangenheit. Sie ist auch nur ein Mensch, und sie hat gesundheitliche Probleme. Zudem stellen Olympische Spiele eine besondere Herausforderung dar, sowohl psychisch wie auch physisch. Deswegen hat auch Biathletin Gabriela Koukalová auf einen Olympiastart verzichtet mit der Begründung, sie sei nicht fit genug, um Tschechien würdig zu repräsentieren.“

Tomáš Verner weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, sein Land bei Olympia zu vertreten. Er hat an den Winterspielen von 2006 bis 2014 teilgenommen. Dabei hat er die einmalige Atmosphäre auch sehr genossen, die gerade für Sportler sehr erhebend ist. Mit großem Bedenken schaut er heute aber auf einige negative Entwicklung im Sport. Besonders die Themen Korruption und Doping machen ihm dabei Sorgen. Für die Spiele in Pyeongchang hegt er daher auch einen großen Wunsch:

Foto: ČTKFoto: ČTK „Ich hoffe, dass nicht das Gleiche passiert wie bei den letzten Winterspielen in Sotschi. Ich hoffe, die Welt kommt etwas zur Ruhe und wird nun 17 Tage lang wirklich rein sportliche Wettkämpfe verfolgen. Und die Sportler könnten dabei für alle als Vorbild dienen, nämlich wie man fair, mit Freude und in freundschaftlicher Atmosphäre (sportliche) Wettkämpfe bestreitet.“