Eurobarometer Tschechien: Die Menschen vertrauen dem Euro mehr als der EU-Verfassung

12-07-2004

Die ersten Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage wurden nach dem EU-Beitritt Tschechiens veröffentlicht. Die größte Überraschung dabei: die vertrauenswürdigste Institution ist für die Tschechen der Rundfunk. Die Umfrage wurde repräsentativ in ganz Tschechien durchgeführt, jedoch schon vor dem Beitritt im Februar und März. Dagmar Keberlova hat sich über die Ergebnisse mit Katharina von Schnurbein, der Pressesprecherin der Repräsentation der Europäischen Kommission in Prag unterhalten und fragte sie einleitend nach der Unterstützung des Beitritts:

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission "Die Unterstützung für die Mitgliedschaft in der EU ist etwas zurückgegangen. Das zeigt zum einen, dass die Kampagnen vor dem Referendum ganz erfolgreich war und zum anderen, dass die Tschechen etwas skeptisch sind. Aber insgesamt ist die Tendenz gleich geblieben, immer ungefähr um die 50 Prozent."

Überraschend war das Vertrauen der Tschechen in die Medien:

"Ja, dass ist wirklich sehr interessant, wenn auch nicht ganz neu. Es ist bekannt, dass das Vertrauen in die Medien in Tschechien sehr hoch ist. Im Vergleich zu den alten EU-Ländern, wo den Medien 42 Prozent der Menschen vertrauen, vertrauen in Tschechien dem Radio 67 Prozent und dem Fernsehen 65 Prozent. Das ist ganz interessant zu sehen, woher die Informationen kommen und auch, wie wichtig es ist für uns als Institution, mit den Medien gut zusammenzuarbeiten, weil es für die Menschen wichtig ist, faktisch korrekte Informationen zu bekommen."

Die Tschechen vertrauen der Umfrage zufolge mehr dem Euro als der EU-Verfassung. Welche Erklärung hat Katharina von Schnurbein hierfür?

"Meiner Meinung nach liegt es daran, dass man den Euro sehr konkret in der Tasche haben kann. Die EU-Mitgliedschaft ist wenig konkret, keiner weiß, was es bringt. Der Euro ist, was auch beim Reisen hilft."

In den neuen EU-Ländern war die Beteiligung an den Europawahlen sehr niedrig. Dem entsprechen auch die Schätzungen, die man vor der Wahl hatte. Wie ist dies zu begründen?

"Das ist nicht einfach zu erklären und es wird im Moment noch in allen Ländern darüber diskutiert. Ein Argument ist bestimmt, dass die Leute nicht wissen, wie wichtig das Europäische Parlament inzwischen ist. Das nämlich 95 Prozent aller Gesetze vom EU-Parlament verabschiedet werden. Das heißt, dass es sehr wichtig ist, wer für uns im Europaparlament sitzt."

12-07-2004