Es lebe der Eremit vom Böhmerwald!

08-10-2019

Der heilige Gunther gilt als Patron des Böhmerwaldes. In Dobrá Voda / Gutwasser fand am vergangenen Sonntag daher ein Fest zu seinen Ehren statt.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová

Hl. Gunther (Foto: Martina Schneibergová)Hl. Gunther (Foto: Martina Schneibergová) Deutsch und Tschechisch wurde das Lied über den heiligen Gunther in der Kirche in Dobrá Voda gesungen. Es ist die einzige Kirche in Tschechien, die ihm geweiht ist. Gunther heißt auf Tschechisch Vintíř. Zu seinem Patrozinium-Gottesdienst kamen auch viele Gläubige aus Deutschland. Unter ihnen zum Beispiel Günther Zimmermann aus Hengersberg.

„Bei diesem Fest bin ich zum ersten Mal, aber ich war schon öfters hier vor Ort, vielleicht fünf oder sechs Mal. Das allererste Mal war es gleich 1989, nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war. Da bin ich mit meiner Frau und unseren Kindern hier hergekommen. Wir haben den Sterbeort meines Namenspatrons besucht, denn ich heiße Günther. Ich habe mein Abitur bei den Benediktinern in Niederaltaich gemacht, bei denen Gunther als Mönch zu Zeiten des heiligen Godehard eingetreten ist. Daher ist mir die Geschichte von Gunther seit meiner Kindheit vertraut. Ich habe auch schon als Kind mit meiner Tante die Gunther-Festspiele in Rinchnach besucht. Seit einigen Jahren gibt es ein Gunther-Spiel in der Nähe von Lalling. Insofern habe ich schon immer eine Beziehung dazu gehabt. Es freut mich sehr, dass diese Kirche ein so schönes Gebäude geworden ist, nachdem es bei meinem ersten Besuch her noch ein Stall oder Munitionsschuppen gewesen war.“

Sankt-Gunther-Haus (Foto: Martina Schneibergová)Sankt-Gunther-Haus (Foto: Martina Schneibergová)Dobrá Voda befand sich während zu Zeiten des Eisernen Vorhangs inmitten des Militärsperrgebiets entlang der Grenze zu Bayern. Die Mehrheit der Häuser wurde von der Armee abgerissen. Die halb zerfallene Kirche wurde nach der Wende allmählich in Stand gesetzt. Die Verwandlungen hat Günther Zimmermann während seiner Besuche immer mit Freude beobachtet.

„Seit einem Jahr bin ich beim Gunther-Verein. Wir kommen gern in den Böhmerwald. Seit letztem Jahr haben wir E-Bikes und sind schon alle Radwege zwischen Böhmisch Eisenstein und dem Moldau-Stausee abgefahren.“

Nach dem Gottesdienst trafen die Pilger im Sankt-Gunther-Haus zusammen. Dieses wurde vor 17 Jahren im Gebäude des ehemaligen Pfarrhauses eingerichtet. Am Treffen nahm auch Petr Kubín teil. Er ist Historiker an der Prager Karlsuniversität und hat vor einigen Jahren ein Buch über den heiligen Gunther geschrieben. Am Geburtsort des Eremiten Gunther entstand folgendes Gespräch:

Worin besteht die Bedeutung des heiligen Gunther?

„Er war eine sehr wichtige Persönlichkeit in der Zeit um das Jahr 1000. Er war ein thüringischer Adeliger, danach ein bayerischer Mönch und schließlich ein Eremit im Böhmerwald. Er spielte eine bedeutende Rolle in der Diplomatie der damaligen deutschen Kaiser und Könige und hatte Bedeutung auch in der tschechischen Geschichte. Denn er kannte den Herzog von Böhmen Břetislav aus der Přemyslidendynastie.“

Petr Kubín (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Kubín (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Weiß man, warum er sich 1040 gerade hier in Gutwasser niedergelassen hat?

„Ja. Hier in der Nähe führte ein Handelsweg durch. Und hier befand sich ein Zollhaus, heute würden wir sagen Zollamt. Es handelte sich also nicht um eine Einsiedelei inmitten eines Urwalds. Der Ort wurde von einer Gruppe von bewaffneten Männern überwacht. Darum entschied sich Gunther vermutlich, hier zu leben, denn er stand immer noch im Dienst des deutschen Kaisers.“

An welchen Orten wird heute noch an Gunther erinnert – außer in Gutwasser?

„Es gibt einige Orte. Das ist hier, wo er gestorben ist, und in der Prager Benediktinerabtei Břevnov, wo er bestattet wurde. In Richnach in Bayern wird ebenfalls an ihn erinnert, denn dort hat er vor genau 1000 Jahren eine Propstei gegründet. Bekannt ist Gunther auch in Göllingen in Thüringen, wo er die Propstei geleitet hat. Und nicht zuletzt wird auch im ungarischen Bakonybél an Gunther erinnert. Das dortige Kloster wurde auf Gunthers Bitte von König Stephan I. von Ungarn gegründet.“

08-10-2019