Erfolg für Tschechiens Diplomatie in Syrien

Tschechien hat die Freilassung von zwei Mitarbeitern einer Hilfsorganisation aus syrischer Haft erwirkt. Einer der beiden Männer kommt aus Deutschland.

Christoph Israng und Jan Hamáček (Foto: ČTK/Vít Šimánek)Christoph Israng und Jan Hamáček (Foto: ČTK/Vít Šimánek) Am Donnerstag gegen 16 Uhr landete das tschechische Regierungsflugzeug aus Damaskus in Prag. An Bord waren zwei sichtlich mitgenommene Männer in Begleitung von Tschechiens Außenminister Jan Hamáček. Noch auf dem Flughafen erklärte der Sozialdemokrat, was passiert war:

„Wir sind gerade von einem humanitären Flug aus Syrien zurückgekommen. Wir haben dort von den örtlichen Behörden zwei Mitarbeiter einer deutschen Hilfsorganisation übernommen, die in Syrien in Haft waren. Dank der Anstrengungen unserer Diplomatie, insbesondere unserer Vertretung in Damaskus und Frau Botschafterin Eva Filipi, ist es gelungen, beide Helfer freizubekommen. Wir durften sie in Damaskus mit an Bord nehmen, übergeben wurden sie uns durch den syrischen Außenminister.“

Die Männer wurden vor Monaten nahe der irakischen Grenze von syrischen Regierungstruppen festgenommen, sie sollen die Grenze illegal überschritten haben. Einer der beiden kommt aus Deutschland und wurde von Christoph Israng, dem Botschafter der Bundesrepublik in Prag, am Flughafen empfangen:

Foto: zdiviv, FreeDigitalPhotos.netFoto: zdiviv, FreeDigitalPhotos.net „Ohne die schnelle und unbürokratische Hilfe unserer tschechischen Freunde wäre das so nicht möglich gewesen. Das ist ein Zeichen unserer Partnerschaft und Freundschaft, und wir wissen das sehr zu schätzen. Das zeigt, dass wir Europäer in guten wie schlechten Zeiten zusammenhalten und zusammenarbeiten müssen. Wir sind froh, dass es den beiden Helfern gut geht und dass sie nun in Sicherheit sind.“

Ärzte hätten die gute Gesundheit der beiden Männer bestätigt, so Außenminister Hamáček. Dennoch sehe man ihnen die Strapazen der vergangenen Monate an.

Die Freilassung der beiden Helfer ist zu einem großen Teil das Verdienst von Eva Filipi, der Botschafterin Tschechiens in Damaskus. Das erkennt auch Jan Hamáček an:

„Dieser Fall ist genau der Grund, warum wir auch weiterhin eine Botschaft in Damaskus unterhalten. Es ist nicht das erste Mal, dass unsere Vertretung den Bürgern anderer Staaten aus einer Notlage geholfen hat. Die syrische Seite hat klargemacht, dass dies eine Geste des guten Willens war. Es war eine besondere Geste in Richtung der Tschechischen Republik. Denn Syrien weiß, welche Rolle unsere Botschaft dort spielt. Damaskus weiß zudem, wie sehr Tschechien den Syrern in diesem langen Konflikt auf humanitäre Weise geholfen hat und ihnen in Zukunft auch helfen wird. “

Eva Filipi (Foto: YouTube)Eva Filipi (Foto: YouTube) In der Vergangenheit hatte es scharfe Kritik an der tschechischen Botschaft in dem Bürgerkriegsland gegeben. So hieß es oft, dass dadurch das Regime von Syriens Machthaber Bashar al-Assad legitimiert würde. Auch Filipi selbst wird eine gewisse Nähe zum syrischen Machthaber vorgeworfen. Die tschechische Vertretung ist die letzte westliche Botschaft in Syrien, weshalb sie unter anderem auch konsularische Dienste für andere Staaten übernimmt. Insgesamt gilt Prag als einer der letzten Drähte des Westens zur Regierung in Damaskus – darum gehörte zum Kurzbesuch Hamáčeks eine Unterredung mit seinem syrischen Amtskollegen Walid al-Muallim:

„Wir haben über die aktuelle Lage in Syrien gesprochen. Ich habe den Minister darüber in Kenntnis gesetzt, dass Tschechien weiterhin humanitäre Hilfe leisten wird. Schon in den kommenden Wochen ist ein weiterer Flug mit Gütern geplant. Thema war auch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem tschechischen Roten Kreuz und dem syrischen Roten Halbmond. Natürlich habe ich die Aufklärung des Chemiewaffengebrauchs in Syrien gefordert. Außerdem habe ich mich für weitere Friedensverhandlungen und ein Abkommen eingesetzt, das diesen Konflikt beenden soll.“

Laut Hamáček habe man des Weiteren über die Lage der syrischen Flüchtlinge in Europa und mögliche Szenarien einer Rückkehr in ihr Heimatland gesprochen. Ergebnisse der Unterredung nannte der Außenminister jedoch nicht.