Entwicklungshilfe in der sozialistischen Tschechoslowakei und im EU-Tschechien

Die Tschechische Republik hat sich 1995 zur Entwicklungshilfe verpflichtet, in dem Jahr also, in dem sie der OECD beigetreten ist. Tschechien beteiligt sich einerseits an der multilateralen Hilfe, d.h. sie trägt zu Budgets internationaler Organisationen bei, die selbst konkrete Hilfe realisieren. Andererseits gewährt sie bilaterale Hilfe, die direkt an konkrete Projekte geknüpft ist. Wie diese Hilfe aussieht, erfahren Sie von Markéta Kachlíková.

Im vergangenen Jahr hat die tschechische Regierung ihre territorialen Prioritäten für die Entwicklungshilfe festgelegt. Auf welche Gebiete sich Tschechien konzentriert, haben wir Jan Plesinger von der Hilfsorganisation "Mensch in Not" gefragt:

"Zurzeit handelt es sich um drei Länder Asiens - die Mongolei, Vietnam und Jemen, zwei Länder Afrikas - Angola und Sambia und drei Länder Europas - Serbien, Bosnien und Moldawien. Die Entwicklungshilfe war früher ziemlich zersplittert. Nun bemüht sich die Tschechische Republik, eine einheitliche Konzeption zu erreichen und die Entwicklungshilfe dort einzuführen, wo sie ganze Programme, nicht nur einzelne Projekte realisieren kann."

Die Kontakte mit einigen Entwicklungsländern, besonders den sozialistisch orientierten, wurden bereits zur Zeit der kommunistischen Tschechoslowakei vor 1989 gepflegt. Hat man an einige von ihnen nach 1995, als die Entwicklungshilfe neu definiert wurde, angeknüpft?

"Es gibt eine Bemühung anzuknüpfen, die meiner Meinung nach relativ ambivalent ist. Wenn ich zum Beispiel Vietnam nenne, werden viele Projekte gerade von halbstaatlichen Firmen getragen, die mit dem vergangenen System gewissermaßen verbunden sind. Das frühere System war sehr ideologisiert, es ging häufig um die Logik des Kalten Krieges, und die meisten Entwicklungsaktivitäten waren entweder ideologisch oder rein auf die Exportförderung orientiert, wobei man etwa Waffen ausführte und ähnliche Aktivitäten realisierte."

An der Entwicklungshilfe beteiligen sich heute sowohl Ministerien, als auch NGOs und der Privatsektor. Über konkrete Projekte der Hilfsorganisation "Mensch in Not" spricht Jan Plesinger:

Die tschechische Entwicklungspolitik erlebt in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der EU-Mitgliedschaft des Landes eine Verstärkung. Die EU-Staaten haben sich als Ziel gesetzt, im Jahre 2007 0,39 % ihres durchschnittlichen Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe aufzuwenden.

"Im Falle der neuen EU-Mitgliedsstaaten kann dies sicher nicht gelingen. Die Tschechische Republik hat im vergangenen Jahr etwa 0,12 % erreicht und stand gemeinsam mit Slowenien klar an der Spitze unter den neuen Mitgliedsstaaten."

Soweit Jan Plesinger von der Hilfsorganisation "Mensch in Not".