Elf Präsidenten und 100 Jahre in Fotos

Zum Gründungsjubiläum der Tschechoslowakei in diesem Jahr sind bereits eine Menge Veranstaltungen geplant. Doch immer wieder findet sich ein neuer Blick auf die 100-jährige tschechische und slowakische Staatstradition.

Gustáv Husák (Foto: ČTK / Jiří Karas)Gustáv Husák (Foto: ČTK / Jiří Karas) Die Leica-Galerie in Prag hat nur begrenzt Raum. Wie bringt man also die 100 Jahre seit der Gründung der Tschechoslowakischen Republik von 1918 dort unter? Die Lösung: Man dringt ins Zentrum der Macht vor, oder wie es Dušan Veselý, Co-Autor der aktuellen Ausstellung, formuliert:

„Wir haben uns entschlossen, die 100 Jahre durch die tschechoslowakischen und tschechischen Präsidenten darzustellen. Es gab hierzulande insgesamt elf Staatsoberhäupter, das ist eine überschaubare Zahl und für unsere Galerie zu verkraften.“

Allerdings: Wer so im Rampenlicht steht wie ein Staatspräsident, wird auch häufig fotografiert. Deswegen wurde bei den Bildern nach mehreren Gesichtspunkten ausgewählt.

Tomáš Garrigue Masaryk (2. von links). Foto: ČTKTomáš Garrigue Masaryk (2. von links). Foto: ČTK „Wir haben bei jedem Präsidenten einige Ereignisse herausgepickt, die für seine Amtsführung stehen oder sehr wichtig waren. Außerdem wollten wir auch jeweils eine Aufnahme haben, die jeden von ihnen bei seiner täglichen Arbeit zeigt. Nicht zuletzt posieren Präsidenten gerne und lassen sich mit Kindern, Tieren oder Frauen ablichten. Deswegen zeigen wir den Besuchern, dass jedes Staatsoberhaupt – ob kommunistisch oder nichtkommunistisch – diesen Trick angewendet hat“, so der Kurator.

Bei allen Gemeinsamkeiten hat sich aber das fotografische Bild des Staatsoberhauptes stark gewandelt. Staatsgründer Tomáš Garrigue Masaryk erscheint völlig anders als etwa der Kommunist Klement Gottwald oder erst recht der Dichter-Präsident Václav Havel:

„In der Ersten Republik zu Zeiten Masaryks wurden noch klobige Fotoapparate verwendet, mit denen ziemlich statische Bilder entstanden. Schließlich wurden die Apparate ja auch auf Stative gepackt. Je leichter dann die Reportage-Kameras wurden, desto lebendiger wurden auch die Aufnahmen. Diesen Fortschritt dokumentiert die Ausstellung ebenfalls.“

Ludvík Svoboda (Foto: Dagmar Hochová)Ludvík Svoboda (Foto: Dagmar Hochová)

Klement Gottwald (Foto: Karel Hájek)Klement Gottwald (Foto: Karel Hájek) Zwei der Präsidenten hebt der Kurator besonders hervor. Zum einen ist es Gottwald, der als erstes kommunistisches Staatsoberhaupt die Tschechoslowakei von 1948 bis 1953 führte und repräsentierte.

„Er hat als einziger einen ausgesprochenen Personenkult gepflegt. Gottwald war Zeitgenosse von Stalin, und damals war dies charakteristisch.“

Der Gottwald-Kult ist in einem speziellen Bereich der Ausstellung zu sehen. Zum anderen ist es Václav Havel, der erste Präsident nach dem demokratischen Umschwung von 1989, mit seiner unkonventionellen Art:

„Er war sehr beliebt, und das auch im Ausland. Deswegen gibt es etwa Aufnahmen mit der englischen Queen oder bei den Vereinten Nationen. Bei ihm konnten wir aus dem Vollen schöpfen.“

Die Ausstellung führt bis zum aktuellen Präsidenten Miloš Zeman. Er und sein Vorgänger Václav Klaus haben allerdings mit einer Institution gebrochen, die sonst die tschechoslowakischen und tschechischen Staatsoberhäupter bis Havel begleitet hat: dem Hoffotografen. Dušan Veselý meint:

„Ich finde das schlecht. Die Funktion des Staatspräsidenten ist so bedeutend, dass seine Tätigkeit im Amt systematisch dokumentiert werden sollte.“

 

Die Ausstellung in der Leica-Galerie (Školská 28, Prag 1) heißt „Slibuji věrnost republice“ (auf Deutsch in etwa: Ich schwöre der Republik meine Treue). Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 21 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 20 Uhr. Die Ausstellung läuft noch bis 28. Oktober.