Eiszeit: Člověk v Tísni verliert Akkreditierung in Donezk

28-11-2016

Es steht der Winter bevor in Donezk. Gerade jetzt ist die humanitäre Hilfe in den umkämpften Gebieten der Ostukraine am nötigsten. Die Verwaltung der selbsternannten Volksrepublik Donezk hat aber nun einer der wenigen westlichen Hilfsorganisationen die Akkreditierung entzogen – Člověk v Tísni aus Tschechien.

Foto: Petr Štefan, Člověk v tísniFoto: Petr Štefan, Člověk v tísni Nahrungsmittel, Wolldecken, Baumaterial – hauptsächlich das sind die Waren, die derzeit von den Lkws aus Tschechien abgeladen werden in Donezk und Umgebung. Die Bevölkerung bereitet sich vor auf den Winter, auch in den umkämpften Separatisten-Gebieten im Osten der Ukraine. Šimon Pánek ist Leiter von Člověk v Tísni. Seit Beginn des Ukrainekonflikts 2014 ist die tschechische Hilfsorganisation dort im Einsatz:

„Der Winter wird hart für viele Menschen hier. Und das vor allem für, die keine Arbeit haben und aus dem sozialen Raster gefallen sind, oder Menschen, deren ganze Familien in die Ukraine oder nach Russland geflohen sind. Die Zurückgebliebenen sind meist sehr arm. Schwer wird es auch für besonders bedrohte Bevölkerungsschichten wie zum Beispiel Kinder in Kinderheimen oder Menschen mit Behinderung in speziellen Einrichtungen.“

Tomáš Kocián (Foto: ČT24)Tomáš Kocián (Foto: ČT24) An diesem Wochenende kamen schlechte Nachrichten für Člověk v Tísni aus der Verwaltungszentrale der sogenannten Volksrepublik Donezk: Die Organisation hätte sich nicht an die Vorgaben der Verwaltung gehalten und habe korrupte Strukturen entwickelt. Einige Helfer sollten das Gebiet der Volksrepublik Donezk innerhalb von 24 Stunden verlassen.

Člověk v Tísni ist bisher den Forderungen der örtlichen Stellen nachgekommen. Tomáš Kocián koordiniert den Einsatz der Organisation in der Ukraine:

Donezk (Foto: Andrew Butko, CC BY-SA 3.0)Donezk (Foto: Andrew Butko, CC BY-SA 3.0) „Alle unsere drei ausländischen Angestellten vor Ort, die von der Verwaltung gebeten wurden, das Land zu verlassen, haben dies am Samstagvormittag auch getan. Sie wurden alle zurück in ihre Heimat gebracht.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Separatisten den wenigen westlichen Hilfsorganisationen die Arbeitsgrundlage entzieht. Bereits im vergangen Jahr spielte sich Ähnliches ab in dem Krisengebiet. Bis auf Člověk v Tísni ist jetzt nur noch das Rote Kreuz als große Hilfsorganisation in der Region frontübergreifend aktiv. Zudem kommen immerhin Hilfskonvois aus Russland nach Donezk.

Šimon Pánek (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Šimon Pánek (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Člověk v Tísni will mit den Stellen vor Ort jedoch weiterhin verhandeln. In dieser Woche soll laut Šimon Panek eine Lösung gefunden werden:

„Wir werden weiterhin unsere Bemühungen nicht aufgeben. Deswegen sind wir ja seit schon zwei Jahren hier, auch wenn man uns von beiden Seiten Schwierigkeiten bereitet. Immer wieder haben uns die ukrainischen Regierungsstellen sowie die von der anderen Seite gefragt: Warum helft ihr auch den anderen? Wir halten uns aber an den humanitären Imperativ, dass dem geholfen werden muss, der Hilfe braucht. Diese Hilfe sollte nicht danach geleistet werden, wer wo herrscht oder welche Soldaten welches Gebiet kontrollieren.“

Foto: Roman Lunin, Člověk v tísniFoto: Roman Lunin, Člověk v tísni Insgesamt profitieren 470.000 Menschen, die nicht im Einflussbereich Kiews leben, von der Arbeit von Člověk v Tísni. Die wichtigste Aufgabe der Tschechen ist dabei die Versorgung der Bewohner mit Wasser, Lebensmitteln, aber auch Kleidung und Baumaterial. Weiterhin operieren kann Člověk v Tísni in dem von ukrainischen Regierungstruppen gehaltenen Gebiet sowie der Separatisten-Republik Luhansk.

28-11-2016