Ein Licht für die Vergessenen

Auf dem Friedhof in Volyně steht eine Galerie. Anlässlich Allerseelen wurde dort eine Ausstellung eröffnet.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová

Jan Freiberg (Foto: Martina Schneibergová)Jan Freiberg (Foto: Martina Schneibergová) In der südböhmischen Stadt Volyně gibt es eine Galerie, die weit über die Grenzen der Region bekannt ist. Sie befindet sich auf dem dortigen Friedhof.

Der Friedhof am Stadtrand von Volyně heißt Malsička. In einer seiner Ecken steht ein Gebäude mit teilweise verglaster Front, erbaut wurde es noch zu Zeiten des Kommunismus. Ursprünglich sollte es als eine Art Aussegnungshalle dienen, heute befindet sich darin die Galerie „Na shledanou“ (Auf Wiedersehen). Kurator Jan Freiberg:

„Das Gebäude entstand Ende der 1980er Jahre. Das kommunistische Regime war damals aber nicht mehr in der Lage, den Bau fertigzustellen. Eigentlich sollte es ein Trauersaal werden, doch keine Bestattungszeremonie wurde jemals dort abgehalten. Ich bin 2010 als Kurator nach Volyně gekommen und wollte eine Galerie einrichten. Die Stadtverwaltung hat mir einen Speicher und ein Schulgebäude angeboten, aber auch den unvollendeten Trauersaal. Damals ist gerade mein Vater gestorben. Ich habe mich zudem mit fernöstlicher Mediation beschäftigt. Deswegen war mir dieser Ort des unvollendeten Trauersaals nahe, und zudem fand ich den Raum interessant.“

Inzwischen gab es in der Galerie 25 Ausstellungen. Angefangen habe er mit Wandmalereien, sagt Jan Freiberg.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová

„Das hatte auch einen praktischen Grund. Denn wir hatten niemanden, der hier den ganzen Tag lang eine Ausstellung überwacht hätte. Die Künstlerinnen und Künstler haben also direkt die Wände bemalt. Wir haben auch einige ökologisch motivierte Veranstaltungen organisiert. An einer der Außenwände entstanden Bilder von ausgestorbenen Tieren. Damit wollten wir ein Denkmal für andere Wesen errichten, es sollte nicht nur der Mensch im Vordergrund stehen. Zudem möchten wir darauf aufmerksam machen, dass rund 500.000 Vögel in Tschechien jährlich durch Kollision mit Glasflächen sterben. Wir haben von einem Künstler Vogelsilhouetten herstellen lassen und versuchen, diese als Öko-Design zu verkaufen. Wir bemühen uns um Veranstaltungen, die nicht nur diesen Ort betreffen, sondern eine globale Dimension haben.“

Peter Demek (links; Foto: Martina Schneibergová)Peter Demek (links; Foto: Martina Schneibergová) Die neueste Ausstellung wurde am Samstag eröffnet. Sie trägt den Titel „Laternen des Todes“. Jan Freiberg dazu:

„Gezeigt werden Werke von Peter Demek. Es ist eine Art Kunst-Intervention, die den Besucher aus der Galerie auf den Friedhof führt. Kurator Martin Vaněk und der Künstler haben Gräber ausgesucht, um die sich seit langem niemand mehr kümmert. Anlässlich von Allerseelen haben sie eine Lichtkunst-Installation vorbereitet. Peter Demek ist Bildhauer. Er hat einige Laternen hergestellt, genauer gesagt Öl-Lampen aus Metall. Einen Tag nach Allerseelen hat er die Laternen entzündet.“

Die erste der Laternen wurde in der Galerie entfacht, von dort aus ging es nach der Vernissage auf den Friedhof. Künstler Peter Demek dazu:

„Die Ausstellung hat für mich mehrere Ebenen. Am wichtigsten ist für mich, dass wir aus der Galerie hinaus auf den Friedhof gehen. Weniger bedeutend sind das Material und die Form der Laternen, bedeutender ist ihr strahlendes Licht in der Finsternis.“

Die Ausstellung „Laternen des Todes“ von Peter Demek ist auf dem Friedhof in Volyně noch bis zum November 2019 zu sehen.