Ein Leben unter Verfolgung: Ausstellung über Kardinal Beran

Von den Nazis wurde er ins KZ geschickt, von den Kommunisten 16 Jahre lang interniert. Kardinal Josef Beran war eine große Autorität, bei weitem nicht nur in kirchlichen Kreisen. Das wussten auch seine Gegner. Vor hundert Jahren wurde Beran in Rom zum Priester geweiht. Aus diesem Anlass wurde im Sitz des Abgeordnetenhauses in Prag eine Ausstellung über den Kardinal eröffnet.

Josef Beran stammte aus Pilsen, wo er auch studierte. Sein Studium setzte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort. Dort wurde er 1911 zum Priester geweiht. Nach der Rückkehr nach Prag war Beran unter anderem an der Karlsuniversität tätig. Während der Nazi-Zeit wurde Beran verhaftet und ins KZ Dachau geschickt. Nach der Rückkehr in seine Heimat wurde er 1946 zum Prager Erzbischof ernannt. Beran lehnte es ab, sich dem kommunistischen Regime unterzuordnen. 1949 wurde er deswegen verhaftet und zwei Jahre lang im Prager erzbischöflichen Palast im Hausarrest gehalten. Bis 1963 lebte er unter Hausarrest an immer wechselnden, geheim gehaltenen Orten. 1965 wurde Beran vom Papst zum Kardinal ernannt, er durfte sogar die Tschechoslowakei verlassen, aber durfte nie mehr zurückkehren. In Rom beteiligte sich der Kardinal am zweiten Vatikanischen Konzil. Er starb 1969 in Rom und wurde in der Krypta des Petersdoms bestattet.

Foto: Tschechische BischofskonferenzFoto: Tschechische Bischofskonferenz Die in Prag eröffnete Ausstellung erinnert an die wichtigsten Momente im Leben von Kardinal Beran. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Historikerin Stanislava Vodičková vom Prager Institut für das Studium totalitärer Regime. Über Josef Beran hatte sie zuvor ein Buch geschrieben. Bei ihrer Forschungsarbeit habe sie sich mit den 1950er Jahren und dem Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem kommunistischen Regime befasst. Und an der Spitze der Kirche in der Tschechoslowakei habe damals eben Josef Beran gestanden, erzählt die Historikerin:

Stanislava Vodičková (Foto: ČT24)Stanislava Vodičková (Foto: ČT24) „Beran war eine große Autorität. Er kämpfte gegen den Nationalsozialismus sowie gegen den Kommunismus. Er richtete sich nach dem Prinzip, dass der Mensch im Einklang mit seinem Gewissen leben soll. Nur dann ist er laut Beran ein freier Mensch und kann allen ungünstigen Umständen entgegenwirken, die ihm im Leben begegnen. Das hat mir sehr imponiert. Als ich mich später mit verschiedenen Dokumenten befasst habe, hat mich der Moment sehr berührt, als Beran zum Exil gezwungen wurde. Die Kommunisten boten damals dem vatikanischen Unterhändler an, dass sie den mit dem Regime kollaborierenden Domkapitelvikar Stehlík durch Bischof František Tomášek ersetzen. Dafür verlangten sie jedoch, dass Beran das Land ohne Möglichkeit zur Rückkehr verlässt.“

Foto: Tschechische BischofskonferenzFoto: Tschechische Bischofskonferenz Beran war damals 76 Jahre alt. Es musste für ihn sehr schwer gewesen sein, seine Heimat zu verlassen, glaubt Vodičková. Im Exil in Rom lebte Beran vier Jahre lang.

„Zwei Jahre davon war er schwer krank, er hatte Krebs. Was sich die Kommunisten aber vorgestellt haben, dass der alte Opa in Rom verschwinden und sie nicht mehr belästigen würde, das hat sich nicht erfüllt. Beran war ein sehr aktiver Mensch, und das auch im Exil. Er besuchte Exiltschechen an verschiedenen Orten der Welt und hat damit ein großes Stück Arbeit für die Tschechen hinter dem Eisernen Vorhang geleistet.“

In der Ausstellung sind mehrere Fotos und Dokumente zu sehen, die aus dem Archiv der tschechischen Sicherheitskräfte stammen und die erst vor kurzem den Forschern zur Verfügung gestellt wurden. Während ihrer Arbeit stieß Stanislava Vodičková auf weitere Materialien, die zuvor nicht bekannt gewesen waren.

Foto: Tschechische BischofskonferenzFoto: Tschechische Bischofskonferenz „Es sind Dokumente, die die 16 Jahre lange Internierung von Josef Beran in der Tschechoslowakei betreffen. Diese gesetzwidrige Internierung war sehr streng. Er wurde von der Erzdiözese sowie seiner Familie vollständig isoliert, hatte keine Informationen und wurde ständig bespitzelt. Von den ursprünglichen Dokumenten sind jedoch nur Fragmente erhalten geblieben. Umso wertvoller sind sie. Es befinden sich darunter auch Spionage-Akten. Das bedeutet, dass der Kardinal ab 1965, als er gezwungen war, ins Exil zu gehen, bis zu seinem Tod von der tschechoslowakischen Spionage im Ausland beobachtet wurde. Es ist klar, dass auch in den Jahren 1968 bis 1969, wo es zu einer bestimmten Entspannung kam, der tschechoslowakische Nachrichtendienst weiterhin gegen die in der Emigration in Rom lebenden Priester arbeitete.“

Die Ausstellung über Kardinal Josef Beran soll in allen tschechischen Diözesen gezeigt werden. Im Mai dieses Jahres wird sie zudem in italienischer Fassung im Vatikan installiert.