Ein Leben gegen den Kommunismus

30-05-2019

Der Schriftsteller und ehemalige politische Gefangene Jiří Stránský ist am Mittwoch im Alter von 87 gestorben.

Jiří Stránský (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Jiří Stránský (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) Eines der bekanntesten Bücher des tschechischen Schriftstellers Jiří Stránský ist der Roman Zdivočelá země („Verwildertes Land“). Populär wurde es vor allem dank einer gleichnamigen TV-Serie. Darin wird die Geschichte eines tschechoslowakischen Piloten geschildert, der nach dem Krieg von der Westfront in seine Heimat zurückkehrt. Er ist Zeuge der Besiedelung der tschechoslowakischen Grenzgebiete nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Später wird er Opfer des kommunistischen Unrechts und verbringt lange Jahre im Gefängnis.

Jiří Stránský entstammte einer wohlhabenden Familie mit aristokratischen Wurzeln. Sein Großvater mütterlicherseits war der tschechoslowakische Premier der Zwischenkriegszeit Jan Malypetr. Sein Vater Karel engagierte sich im Zweiten Weltkrieg im Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung, dies brachte ihn nach Auschwitz. 1948 wurde der Vater zum zweiten Mal inhaftiert, diesmal von den Kommunisten. Fünf Jahre später folgte ihm auch sein Sohn Jiří Stránský. Dieser wurde 1953 in einem Scheinprozess wegen Landesverrats zu acht Jahren Haft verurteilt.

Foto: Hejkal / Knižní klubFoto: Hejkal / Knižní klub „Im Januar 1953 wurde ich inhaftiert und fast totgeschlagen. Man wollte, dass ich meine Schuld eingestehe. Ich wusste aber nicht, was ich gestehen sollte.“

So erinnerte sich Stránský im Zeitzeugenprojekt Paměť národa an seine damalige Verhaftung. Die folgenden Jahre verbrachte er in unterschiedlichen Arbeitslagern, bevor er 1960 amnestiert wurde. In den 1970er Jahren kam der Autor erneut für knapp zwei Jahre ins Gefängnis. Das konnte ihn aber nicht brechen, er hielt fest an seinem Kampf gegen das Regime:

„Dank meiner Erziehung war ich fest davon überzeugt, dass ich den Kommunisten diese Freude nicht machen kann. Man darf jemandem, der einen erniedrigt, nicht zeigen, dass man erniedrigt wird. Dies hat mir mein Vater dem Sinn nach in einem Brief geschrieben, den ich im Gefängnis bekommen habe.“

Die harten Jahre im kommunistischen Gefängnis führten aber auch zu einem positiven Moment im Leben von Jiří Stránský, nämlich zur Entscheidung zu schreiben. Während seiner Haft lernte er einige katholische Schriftsteller kennen: „Sie haben mich das Schreiben gelehrt und mir seine Prinzipien beigebracht.“

In seinem Werk setzte er sich mit dem kommunistischen Regime auseinander. Die Bücher konnten aber erst nach 1989 offiziell herausgegeben werden. Zudem publizierte Stránský nach der Wende zahlreiche Kommentare und Artikel in mehreren Zeitungen sowie im Tschechischen Rundfunk. In der Zeit von 1992 bis 2006 war er Vorsitzender der tschechischen Sektion des PEN-Clubs. Für sein literarisches Werk und sein gesellschaftliches Engagement erhielt er mehrere Auszeichnungen. 2001 verlieh ihm Präsident Václav Havel die staatliche Verdienstmedaille.

30-05-2019