Ein Fisch als Preis und drei Länder vor der Kamera: 9. Neiße-Filmfestival

Grenzen überschreiten, in Filmen und in der Realität: Das Neiße-Filmfestival schafft beides. Es ist das einzige Festival, das Filme grenzüberschreitend an verschiedenen Spielorten in den drei Ländern Deutschland, Tschechien und Polen zeigt. Vom 2. bis 6. Mai sind über 100 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme im Programm. Andreas Friedrich, Organisator des Festivals im Interview.

Andreas Friedrich (Foto: Archiv des Festivals)Andreas Friedrich (Foto: Archiv des Festivals) Herr Friedrich, Sie sind Leiter des Neiße-Filmfestival und haben es 2004 mit ins Leben gerufen. Was ist die Idee hinter dem Festival?

„Die Idee dahinter ist, dass wir hier im Dreiländereck zu Polen und Tschechien leben und 2004 die Grenzen zu Polen und Tschechien wegfielen. Der Film, der in Polen und Tschechien eigentlich eine lange Tradition hat, war nach der Wende immer mehr aus den deutschen Kinos verschwunden. Wir wollen so den Filmen aus diesen Ländern etwas Gutes tun. Gleichzeitig liegen die Veranstaltungsorte an der Grenze von Polen, Tschechien und Deutschland. Wir hoffen, dass viele Besucher kommen, sich gegenseitig und ihre Geschichte kennenlernen und sich über das Medium Film näherkommen.“

Foto: Archiv des FestivalsFoto: Archiv des Festivals Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Spielfilmwettbewerb, bei dem der Neiße-Fisch verliehen wird. Wer ist bei dem Wettbewerb vertreten?

„Der Wettbewerb ist ursprünglich nur für diese drei Länder gemacht. Es ist so gedacht, dass nur junge Filmemacherinnen und -macher, die nicht mehr als drei Produktionen gemacht haben, Filme für den Wettbewerb einreichen können: je drei aus Tschechien, Polen und Deutschland. Regisseure, die schon professioneller sind und über Jahre Filme machen, gehören also eigentlich nicht in den Wettbewerb. Die werden dann in anderen Programmreihen zu sehen sein.“

Das Neiße-Filmfestival ist in Deutschland das einzige, das Filme auch grenzüberschreitend in Tschechien und Polen zeigt. Was macht für Sie persönlich das Besondere an dieser Region und Zusammenstellung der Filme aus?

„Das Besondere ist, dass die Atmosphäre im Vergleich zu den größeren Festivals doch immer noch sehr familiär ist. Das bekommen wir immer wieder von den Gästen mitgeteilt. Es gibt eine große Nähe zwischen den Schauspielern, den Regisseuren und den Gästen, die aus den verschiedenen Ländern kommen. Auf vielen anderen Festivals geht es anonymer zu.“

In diesem Jahr haben sie erstmals eine Partnerschaft mit dem Dokufest in Prizren, dem größten Dokumentar- und Kurzfilmfestival im Kosovo. Der Kosovo stellt auch einen der Wettbewerbsfilme. Was bedeutet diese Partnerschaft für das Festival, und können Sie etwas über den Film sagen?

Dokufest in Prizren (Foto: Dokufest Archiv)Dokufest in Prizren (Foto: Dokufest Archiv) Der Film behandelt das Thema Blutrache, ein Problem, was in den Balkanländern nicht alltäglich ist, aber doch immer wieder vorkommt - für uns vielleicht unvorstellbar. Die Menschen dort bewegt es, dass diese Rachetradition immer noch weiterlebt. Das Filmfestival im Kosovo ist für uns ein gutes Beispiel, um zu zeigen, was Film bewegen kann: dass sich durch Filme Menschen einander annähern, die aufgrund ihrer ethnischen Unterschiedlichkeit in Konfliktsituationen leben, die sie politisch scheinbar nicht überwinden können. Dass sie zusammen auf so einem Fest feiern, die Geschichten der anderen wahrnehmen, sie akzeptieren, vielleicht auch lernen sie zu verstehen. Vielleicht wirkt das auch ein Stück in das normale Leben hinein.“