Eier aus Polen und Ungarn wurden vom tschechischen Markt genommen

17-01-2012

Seit dem 1. Januar dürfen in Europa nur noch Eier von Legehennen verkauft werden, die auch genügend Platz zum scharren haben. Das schreibt eine EU-Verordnung vor. Diese Richtlinie wird aber nach wie vor nicht in allen EU-Ländern umgesetzt, gleich ein Dutzend von ihnen hat die verbotene Legebatterie noch nicht abgeschafft. Der Verkauf von Eiern und Eierprodukten aus der Batteriekäfighaltung ist demnach jetzt illegal. Tschechien unternimmt einiges, um sich vor dem Import solcher Eier zu schützen.

Foto: ČT24Foto: ČT24 Es hat sich ausgekräht! Die EU-Richtlinie zum Verbot von Legebatterien ist seit Jahresbeginn in Kraft, wer sie nicht befolgt, muss mit Sanktionen rechnen. Zunächst aber müssen sich die Länder, darunter Tschechien, die normgerecht auf größere Hühnerkäfige mit Sitzstangen und Scharrmöglichkeiten umgerüstet haben, vor der illegalen Konkurrenz schützen. Daher kündigte Tschechiens Landwirtschaftsminister Petr Bendl schon im vergangenen Dezember an:

„Ich wäre froh, wenn unsere Kontrollorgane wie die Zollverwaltung, das Veterinäramt, die Lebensmittelinspektion und andere im Rahmen ihrer Kompetenzen all das kontrollieren, was sie zu kontrollieren haben. Das würde sicher helfen, zu verhindern, dass der Eier-Markt in eine Schieflage gerät.“

Gesagt, getan. Bei ihren Kontrollen haben die Inspektoren der Staatlichen Veterinärverwaltung (SVS) jetzt binnen fünf Tagen gleich mehrere hunderttausend Eier entdeckt, die nicht der neuen EU-Verordnung entsprechen. Am vergangenen Donnerstag waren es 200.000 Eier aus Polen, die bei Kaufland in Olomouc / Olmütz entdeckt wurden, einen Tag später knapp 220.000 Eier aus Ungarn, die im mährischen Velké Pavlovice zum Verkauf anstanden, und schließlich am Montag insgesamt 470.000 Eier aus Polen, die in mehreren Supermärkten Mittelböhmens angeboten werden sollten. Alles Eier, die von Hühnern stammen sollen, die noch in den tierunwürdigen Legebatterien gehalten werden. Sie wurden deshalb aus dem Verkehr gezogen. Jetzt hätten die Handelsketten zu entscheiden, ob sie diese Eier an die Lieferanten zurücksenden oder ob sie vernichtet werden, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums der Presseagentur ČTK. Ressortchef Bendl indes betonte, weshalb man sich hierzulande gegen den Verkauf solcher Eier mit allen Mitteln zur Wehr setze:

Petr BendlPetr Bendl „Unsere Landwirte und Geflügelzüchter waren verpflichtet, in die bessere Lebensqualität des Federviehs etliche Millionen Kronen zu investieren, um damit die neue EU-Richtlinie zu erfüllen. Dort, wo das noch nicht geschehen ist, sind die Kosten für die Eiergewinnung logischerweise geringer geblieben als in den Geflügelanlagen, die auf tiergerechte Haltung umgerüstet haben. Das führt zu unterschiedlichen Preisen und würde so auch unseren Markt beeinträchtigen.“

Die neue EU-Vorschrift, die man in Brüssel bereits vor 13 Jahren angekündigt hatte, will man in Tschechien also konsequent durchsetzen. Sowohl gegen ausländische Sünder als auch gegen einheimische Produzenten, sollte es auch unter ihnen schwarze Schafe geben. Schließlich hatte man seit dem EU-Beitritt im Mai 2004 auch hierzulande sieben Jahre Zeit, um sich auf diese Veränderung einzustellen. Deshalb reagiert man in Tschechien auch mit Unverständnis, wenn man beispielsweise in Polen immer noch nach Ausreden sucht:

Marek Sawicki (Foto: Jarosław Kruk, Creative Commons 3.0)Marek Sawicki (Foto: Jarosław Kruk, Creative Commons 3.0) Während es in Tschechien aufgrund der einst verordneten Kollektivierung noch heute große landwirtschaftliche Betriebe gebe, seien in Polen viele Familienfarmen erhalten geblieben. Und deren Umrüstung auf die neuen Erfordernisse brauche halt Zeit, erklärte der polnische Landwirtschaftsminister Marek Sawicki. Zeit, die Polen und andere EU-Länder eigentlich schon nicht mehr haben. Deswegen will die EU-Kommission jetzt hart durchgreifen. Inspektoren sollen in den Sünderländern Beweise sammeln. Zudem will die Brüsseler Behörde schon bald gegen diese Länder Vertragsverletzungsverfahren einleiten.

17-01-2012