Die neue Angst vorm Klimawandel

02-01-2019

Klimawandel und Terror – davor haben die Tschechen laut einer aktuellen Umfrage am meisten Angst. Doch die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.

Illustrationsfoto: Tumisu, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Tumisu, Pixabay / CC0 Alljährlich fragt das Meinungsforschungsinstitut Median die Tschechen, wovor sie eigentlich die meiste Angst haben. Diesmal ist das Ergebnis recht überraschend gewesen, denn eine Mehrheit der Befragten äußerte sich besorgt zum Klima. 62 Prozent der Tschechen haben demnach Angst vor der Dürre, weit über die Hälfte zudem vor den Auswirkungen der Erderwärmung. Daniel Prokop ist leitender Soziologe bei Median:

„Tatsächlich hat die Angst vor klimatischen Veränderungen stark zugenommen. Konkret geht es um den Einfluss des Klimawandels auf die Landwirtschaft und die Migration. Vor einem Jahr waren diese Befürchtungen mit 38 Prozent noch eher eine Randerscheinung, mit insgesamt 52 Prozent stehen sie nun aber im Mittelpunkt.“

Daniel Prokop (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Daniel Prokop (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Auf der politischen Bühne sorgen vor allem die Spannungen mit Russland oder der internationale Terror bei den Tschechen für einen flauen Magen. Knapp über 50 Prozent der Befragten gaben an, Angst vor einem islamistischen Anschlag zu haben. Dabei sind diese Zahlen im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen, damals fürchteten sich noch über 70 Prozent der Tschechen vor radikalislamischen Bomben. Daniel Prokop erklärt sich das so:

„Die Angst vor dem Terror hängt vor allem von dem ab, was in der Welt passiert. Wenn es irgendwo einen Anschlag gibt, dann steigen die Befürchtungen schlagartig auf über 70 Prozent. Jetzt in ruhigeren Zeiten liegen sie nur bei rund 50 Prozent. Das bedeutet, dass die Angst vor dem Terror und vor dem Klimawandel in etwa auf einer Stufe steht. Noch vor einem Jahr gab es da ein großes Ungleichgewicht zugunsten des Terrors.“

Foto: klimkin, Pixabay / CC0Foto: klimkin, Pixabay / CC0 Tatsächlich dominierten vor allem Trockenheit und Wassermangel im vergangenen Jahr die Medien. Dabei spürten die Tschechen diese Probleme auch direkt, ob nun durch den ausgetrockneten Badesee oder die höheren Lebensmittelpreise. Deshalb seien auch gut 60 Prozent der Befragten bereit, selbst einen Beitrag zur Klimarettung zu leisten, erklärt der Soziologe Prokop:

„Da gibt es teils große Unterschiede, die vor allem bildungsbedingt sind. Interessant ist, dass vor allem ältere Menschen zu Einschränkungen bereit sind, da liegt die Quote bei über 70 Prozent. Das ist bemerkenswert, denn ein ökologisches Bewusstsein wird eher jüngeren Leuten zugeschrieben. Außerdem ist die Bereitschaft, etwas für die Umwelt zu tun, bei Frauen viel größer als bei Männern.“

Jan Krajhanzl (Foto: Archiv der Karlsuniversität in Prag)Jan Krajhanzl (Foto: Archiv der Karlsuniversität in Prag) Die Angst vorm Klimawandel hat zudem einen interessanten Nebeneffekt. Und zwar erleben derzeit die Psychologen einen Boom – Stichwort Umweltangst. Laut dem Brünner Psychologen Jan Krajhanzl gibt es dazu aber noch keine genauen Zahlen:

„Bisher wurden einige qualitative Studien durchgeführt, für die unter anderem Erhebungen an Schulen gemacht wurden. Bei der Aufgabe, beispielsweise ein Bild über das Jahr 2030 zu zeichnen, werden bei vielen Kindern entsprechende Ängste deutlich. Auch viele Erwachsene passen mittlerweile ihren Lebensstil an die klimatischen Veränderungen an. So wird beispielsweise das Dorf als Wohnort immer attraktiver. Außerdem überdenken mehr Paare ihre Kinderpläne und fragen sich, ob sie überhaupt Nachwuchs in die heutige Welt setzen wollen.“

02-01-2019