Die Bibliothek zum Kaffee: „Meeting Literature“ in Pilsen

In den Cafés der Kulturhauptstadt Plzeň / Pilsen halten sich Einheimische und Touristen gleichermaßen gerne auf. Das Projekt „Meeting Literature“ will das Interesse für fremdsprachige Literatur wecken – und bringt Bücher aus ganz Europa in die Pilsner Kaffeehäuser.

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“ Eine Tasse duftender Kaffee, ein feines Stück Torte und dazu ein gutes Buch? Für viele Literaturfreunde klingt das nach einem perfekten Nachmittag. 15 Cafés in Pilsen sind ab diesem Jahr mit einer Mini-Bibliothek ausgestattet, in der die Besucher nach Belieben schmökern können. Das macht insgesamt über 900 Bücher, die Literatur- und Kaffeefreunden zur Verfügung stehen.

Franziska Stölzel hat ihre Masterarbeit fast nur in Pilsner Cafés geschrieben. Sie ist Betreuerin der Studien- und Wissenschaftsbibliothek des Kreises Pilsen und Koordinatorin des Projektes „Meeting Literature“:

Franziska Stölzel (Foto: Archiv des Deutsch-tschechischen Jugendforums)Franziska Stölzel (Foto: Archiv des Deutsch-tschechischen Jugendforums) „Ich finde, dass es in Pilsen sehr viele tolle Cafés gibt, in denen man gerne Zeit verbringt. Mir persönlich als Ausländerin haben dort fremdsprachige Bücher gefehlt.“

Die Bücher wurden von europäischen Kulturinstituten ausgewählt und bereitgestellt. Dabei ist von zeitgenössischer Spartenliteratur bis hin zu international bekannten Klassikern für jeden Geschmack etwas dabei. In den Bücherecken lassen sich Werke in zwölf europäischen Sprachen finden. Zusätzlich zum Original steht immer eine tschechische Übersetzung im Regal. Franziska Stölzel:

„Jeder, der schon eine Fremdsprache spricht, kann dort natürlich selbst testen, wie viel er versteht und Neues entdecken. Wir hoffen natürlich auch, dass wir Besucher der Kulturhauptstadt für das Projekt begeistern können und dass wir ihnen über den Stadtplan, den wir zum Projekt haben, vielleicht Orte zeigen, die sie nicht im Stadtführer finden.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“ Bisher wird das Projekt von den Cafébesuchern sehr gut angenommen. Das sieht Franziska Stölzel zum Beispiel an der steigenden Anzahl der Facebook-Fans. Auch Spuren der Abnutzung an den Büchern sind für die 27-Jährige ein gutes Zeichen.

„Eben weil beispielsweise die Banderole an dem Buch ein bisschen beschädigt ist – und wir tauschen diese gerne aus –, sieht man: Die Bücher werden genutzt. Genauso haben wir auch von den Besitzern der Cafés und Kaffeehäuser ein positives Feedback, dass es Leute gibt, die wirklich regelmäßig kommen, die schon ihr Lieblingsbuch gefunden und auch ihr Lesezeichen dort platziert haben. Sie kommen einfach regelmäßig und lesen.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“ Zusätzlich zu den 15 Bücherecken will die Studien- und Wissenschaftsbibliothek es ermöglichen, Autoren zu treffen oder ausgewählte Bücher als Theaterstück inszeniert zu sehen. Deshalb gibt es im Kulturhauptstadtjahr 15 Abendveranstaltungen von „Meeting Literature“.

„Wir wollten ein Projekt, das aus der Bibliothek herausgeht und Leuten Lust macht. Es soll ihnen auch zeigen, welche weiteren Angebote wir haben. Das ist genau unser Ziel: Wir gehen zuerst nach außen, kommen dann zurück und zeigen den Leuten: Wenn ihr immer noch nicht genug habt mit 900 Büchern in 15 Cafés – bei uns gibt’s noch mehr“, so Franziska Stölzel.

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“ Die nächste Veranstaltung findet am 9. April im Pilsner Theater Dialog statt. Es handelt sich dabei um eine szenische Lesung von Florian Illies´ Buch „1913“. Die Lesung wird in Kooperation mit dem Goethe-Institut veranstaltet. Da auch die Literaturabende in der Kulturhauptstadt gut ankommen, denkt Franziska Stölzel nicht an das Aufhören:

„Nach 2015 soll nicht Schluss sein, dies ist erst der Anfang des Projektes.“

Wer wissen möchte, in welchen Cafés es das kostenlose Lesefutter gibt, kann sich in den Informationszentren der Kulturhauptstadt einen Stadtplan zum Projekt holen.

 

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“Foto: Offizielle Facebook-Seite des Projektes „Meeting Literature“ Auf der eigens eingerichteten Facebookseite https://www.facebook.com/MeetingLiterature?fref=ts gibt es unter anderem Informationen zu den Lesungen von „Meeting Literature“. Die zweite Veranstaltung zu einem deutschsprachigen Autor findet am 9.April im Theater „Dialog“ statt.