Deutschland bummelt bei Netzausbau – und Tschechien steht unter Strom

05-02-2015

Der Netzausbau – er ist eines der größten Probleme der deutschen Energiewende. Neue Stromleitungen müssen her, aber viele Bürger protestieren gegen die Trassen. Die Folgen bekommt auch Tschechien zu spüren. Dort ist durch den deutschen Ökostrom das Netz phasenweise überlastet. Die Folge sind zusätzliche Kosten und die Gefahr eines Blackouts.

Vladimír Tošovský (Foto: ČT24)Vladimír Tošovský (Foto: ČT24) Vor allem die deutsche Windenergie hat es in sich. Bläst es kräftig und drehen die Rotoren schnell, zeigen sich Sorgenfalten bei den Stromnetzbetreibern in Tschechien. Denn dann ist das Netz in Deutschland überlastet und jede Menge elektrischer Strom wird in die tschechischen Leitungen gepresst. So geschehen zum Beispiel Mitte Dezember vergangenen Jahres. Vladimír Tošovský ist Vorstandsvorsitzender des tschechischen Stromnetzbetreibers ČEPS:

Foto: Barbora KmentováFoto: Barbora Kmentová „In Norddeutschland setzte eine übermäßige Stromproduktion ein, bei unserem südlichen Nachbarn Österreich und auf dem Balkan bestand aber kein erweiterter Energiebedarf. Hier in Tschechien baute sich dadurch eine Überlastung auf, die unser Stromnetz bedrohte. Wir haben also Deutschland darum gebeten, die Kapazitäten herunterzufahren, und Österreich, mehr Kraftwerksleistung zu produzieren, um die Belastung auszugleichen. Diese Maßnahmen sind jedoch teuer. Nach unseren Schätzungen liegen die Kosten bei etwa 60 Millionen Kronen (2,15 Millionen Euro, Anm. d. Red.), wir haben die Rechnungen aber noch nicht erhalten.“

Zbyněk Boldiš (Foto: Archiv ČEPS)Zbyněk Boldiš (Foto: Archiv ČEPS) Die Zusatzkosten müssen letztlich die tschechischen Verbraucher zahlen. Doch liegen die Aufschläge auf die Stromrechnungen nur im Promillebereich, versichert die Energieregulierungsbehörde. Das gilt indes nur solange, wie die tschechische Seite die Probleme meistert. Bei jeder dieser angespannten Situationen droht nämlich ein Kollaps der Stromnetze, wie ČEPS-Vorstandsmitglied Zbyněk Boldiš erläutert:

„Es hat sich bestätigt, was wir schon vor Jahren gesagt haben: Die Lage ist ernst, und es kann jeden Augenblick zu einem Blackout kommen. Würden wir nicht handeln, wäre nicht nur das Netz überlastet, sondern wir stünden vor ernsten Betriebsproblemen.“

Tschechische Experten sind daher nicht erfreut über die Versäumnisse auf deutscher Seite. Dort hinkt man den eigenen Plänen weit hinterher. So sollen 2800 Kilometer Höchstspannungsleitungen neu geschaffen werden, realisiert wurden davon bisher aber nur einige Hundert Kilometer.

Foto: Archiv Radio PragFoto: Archiv Radio Prag „Das grundlegende Problem liegt darin, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem in Norddeutschland nicht gut mit dem Netzausbau koordiniert ist. Erst wenn Deutschland dies in Griff bekommt, werden die Überlastungssituationen nicht mehr so dramatisch sein wie heute“, so Zbyněk Boldiš.

Tschechische Politiker und Fachleute haben ihre Kollegen im Nachbarland schon längst auf das Problem hingewiesen. Deswegen probten ČEPS und sein deutscher Partner 50Hertz im September vergangenen Jahres den Notfall. Diese erste gemeinsame grenzüberschreitende Sicherheitsübung fand an der Schnittstelle beider Netze im Erzgebirge statt. Es wurde die extreme Situation simuliert, wenn tatsächlich Teile des Übertragungsnetzes ausfallen.

ČEPS (Foto: Google Street View)ČEPS (Foto: Google Street View) Zudem baut ČEPS an der Grenze derzeit an einem Phasenschieber am Stromnetz-Übergang. Mit diesem kann das tschechische Netz zur Not geschützt werden. Außerdem sollen die Leitungen in Mittelböhmen verstärkt werden. Kostenpunkt insgesamt: 5,25 Milliarden Euro (190 Millionen Euro).

05-02-2015

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