Der neue tschechische Kommissar wird wahrscheinlich Botschafter Telicka

24-02-2004

Am vergangenen Freitag ist der erste designierte EU-Kommissar der Tschechischen Republik, Milos Kuzvart, zurückgetreten. In der Nacht auf Dienstag wurde der Name eines zweiten Kommissar-Anwärters bekannt gegeben. Weitere Informationen hat Dagmar Keberlova.

Pavel Telicka (Foto: CTK)Pavel Telicka (Foto: CTK) Unerwartet schnell ist der Name des neuen EU-Kommissars gefallen. Grund des raschen Handelns war höchstwahrscheinlich die Aufforderung seitens des Präsidenten der Europäischen Kommission Romano Prodi. Dieser teilte am Montagnachmittag dem tschechischen Außenminister Cyril Svoboda in Brüssel mit, dass der Name des neuen Kommissars spätestens am Mittwoch bekannt gemacht werden solle. Prodi hätte sich des Weiteren eine starke Persönlichkeit und eine endgültige Nominierung gewünscht. Nur auf diese Weise könne der politische Schaden, der mit dem Rücktritt Kuzvarts entstanden ist, beseitigt werden, sagte Prodi. Und so ist es tatsächlich auch geschehen. Bei der nächtlichen Beratung hat sich die Regierung auf den derzeitigen tschechischen Botschafter bei der EU, Pavel Telicka, als neuen EU-Kommissar geeinigt. Premier Vladimir Spidla über die Verhandlungen:

"Die Freiheitsunion ist bereit, die Nominierung von Pavel Telicka zu unterstützen. Mit den Christdemokraten konnten wir uns bis zu diesem Moment nicht einigen. Der Hauptgrund ist dabei die ehemalige Mitgliedschaft von Pavel Telicka in der Kommunistischen Partei."

Die Nominierung werde noch mit der Fraktion der Sozialdemokraten und mit der Opposition verhandelt. Die Kommunisten haben gegen den EU-Botschafter Telicka nichts einzuwenden, die Bürgerdemokraten sind jedoch nicht einverstanden. Der Schattenaußenminister und Bügerdemokrat Jan Zahradil:

"In diesem Moment sollte die professionelle Vorbereitung im Vordergrund stehen. Erst an zweiter Stelle liegt die Parteizugehörigkeit. Daher gehen wir zum Verhandlungstisch mit unserem eigenen Kandidaten."

Botschafter Telicka hat dem tschechischen Premier zugesagt, den Posten zu übernehmen. Zu seiner ersten Aufgabe rechnet er die Berichtigung der durch den Rücktritt seines Vorgängers entstandenen Situation:

"Ich glaube, dass dieser Prozess nicht lange dauern wird. Meiner Meinung nach ist unser Ruf bei der Europäischen Union dahingehend gut, dass wir den Vorfall mit unseren Partnern in der EU wahrscheinlich in kurzer Zeit als unglückliche Episode betrachten werden, die allerdings keine nachhaltigen Auswirkungen auf den guten Ruf Tschechiens haben wird."

Telicka wurde schon in der Vergangenheit öfter in EU-Kreisen als möglicher Kommissar erwähnt. Von allen Kandidaten war er es, der die besten Erfahrungen mit der Europäischen Union mitbrachte. Der Thematik widmet sich der 39-jährige Diplomat seit 1990. In Brüssel ist er als intelligenter und verlässlicher Partner bekannt, aber auch als hartnäckiger und gefürchteter Gegner, der in den Verhandlungen sein Ziel streng verfolgt. Telicka war unter anderem Chefunterhändler der Beitrittsverhandlungen der Tschechischen Republik.

24-02-2004