Česko, Czechia oder Czechlands: Tschechien auf der Suche nach dem eigenen Namen

Wenn man an nationale Symbole denkt, kommen einem drei Dinge in den Sinn – Fahne, Wappen und Hymne. Doch auch der Name eines Staates ist nicht immer selbstverständlich. Ein Beispiel dafür ist Tschechien. Bis heute ist nicht klar, wie die Kurzform des Staatsnamens lauten soll. Der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek hat den seit mittlerweile 23 Jahren schwelenden Streit wieder auf die Tagesordnung gebracht.

Bei internationalen Institutionen wie der Uno hat jeder Staat eigentlich zwei Namen: jeweils eine offizielle Lang- und Kurzform. Für die Tschechische Republik fehlt bisher die kurze Variante. Um deren Findung bemüht sich nun der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek.

Im Deutschen ist die Bezeichnung des Nachbarlandes eine klare Sache. Man kann entweder Tschechien oder Tschechische Republik sagen. Problematischer ist es aber beispielsweise im Englischen, und somit auch im Sprachgebrauch internationaler Organisationen. Hier ist nach wie vor die sperrige Bezeichnung Czech Republic gültig.

Lubomír Zaorálek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Lubomír Zaorálek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Außenminister Lubomír Zaorálek wie auch Präsident Miloš Zeman machen sich jetzt für die Bezeichnung „Czechia“ stark. Die Notwendigkeit der verkürzten geographischen Bezeichnung begründet der Außenminister vor allem mit seinem Wiedererkennungswert:

„Das Aussehen der tschechischen Fahne ist eindeutig. Genauso sollte es auch mit dem Namen der Republik sein. Neben der langen Form des Staatsnamens muss es auch einen klaren abgekürzten Namen geben, wobei dieser natürlich geographisch richtig sein muss.“

Eine etablierte Kurzform bringe viele Vorteile. Dabei habe er vor allem internationale Konferenzen wie auch die Trikots der Fußball-Nationalmannschaft im Blick, bemerkt der Außenminister.

Václav Havel (Foto: Tschechisches Fernsehen)Václav Havel (Foto: Tschechisches Fernsehen) Die Wurzel des Problems geht bis auf das Jahr 1993 zurück. Als Tschechien ein eigener Staat wurde, entbrannte auch die Diskussion um einen angemessenen Staatsnamen. Die Position des damaligen Präsidenten Václav Havel war eindeutig. Eine mögliche Übersetzung des allgemein geläufigen Begriffs „Česko“ sei abwertend und vulgär. Havel sprach sich somit gegen eine mögliche Kurzform aus:

„Ich kenne das Wort ‚Česko‘ aus der niederen Exiljournalistik. Dieser sonderbare Begriff löste in mir aber nur Ekel aus. Er fühlt sich an, als ob Nacktschnecken an mir hochkriechen würden.“

Tschechien versäumte es daraufhin, bei den Vereinten Nationen eine entsprechend verkürzte Form von Czech Republic einzutragen.

Ondřej Hýsek (Foto: Archiv der Partei Moravané)Ondřej Hýsek (Foto: Archiv der Partei Moravané) Auf den ersten Blick erscheint die Angelegenheit als reine Formsache. In Teilen der Bevölkerung rufen sämtliche Vorschläge aber sehr emotionale Reaktionen hervor. Allen voran die Mährer und Schlesier wehren sich gegen Begriffe wie „Czechia“ oder „Czech“, da sie zu nah an „Česko“ oder „Čechy“ seien. Im Tschechischen ist damit eben nicht nur Tschechien, sondern vor allem auch die Region Böhmen gemeint. Der Vorsitzende der mährischen Partei Moravané, Ondřej Hýsek äußert sich demnach kritisch zu Zaoráleks Vorschlag.

„Die Leute gewöhnen sich an alles. Es ist klar eine Sache der Medien. Wenn Sie es nur lange genug wiederholen, wird auch der mährische Wein irgendwann böhmisch. In dem Begriff 'Czechia' finden sich Mähren und Schlesien nicht wieder. Unsere Steuern regen in Prag keinen auf, aber bei den Symbolen unseres Landes tauchen wir nirgendwo auf. So benutzt man auf Schulzeugnissen nur noch das kleine Staatswappen mit dem böhmischen Löwen und von den mährischen und schlesischen Adlern fehlt jede Spur.“

Foto: YouTubeFoto: YouTube Der Ball liegt nun bei den Linguisten und anderen Sprachschaffenden. Im Raum steht beispielsweise auch „The Czechlands“ – eine Analogie zu „The Netherlands“. Damit könnten sich die Bewohner aller Regionen einigermaßen identifizieren.

Außenminister Zaorálek hofft indes auf Reaktionen der Verfassungsorgane. Die weitere Entwicklung der Diskussion bleibt also abzuwarten.