Bruntál kehrt zurück nach Europa

02-05-2004

In der nordmährischen Stadt Bruntal/Freudenthal wird nicht nur gefeiert, sondern es findet dort auch eine internationale Konferenz statt. Mehr dazu hören Sie im folgenden Telefonbericht von Martina Schneibergova.

Initiator der Konferenz, Petr AnderleInitiator der Konferenz, Petr Anderle "Bruntál kehrt nach Europa zurück" lautet das Motto einer zweitägigen internationalen Konferenz, die am Freitagvormittag von Bürgermeister Stanislav Navrátil eröffnet wurde. Veranstalter der Konferenz ist die Bürgerinitiative "Vlastenecký poutník" (zu deutsch etwa "Der Heimatwanderer"). Die Hauptaufgabe der Konferenz, deren Teilnehmer in vier Arbeitsgruppen diskutieren, ist es nach Worten der Organisatoren eine Art Modellprogramm für die Entwicklung der Region auszuarbeiten. Dieses könnte Anregungen für ähnliche Regionen in Tschechien bieten. Die Region Bruntáls gehört nicht gerade zu den attraktivsten der Tschechischen Republik. Bis heute trägt die Landschaft typische Spuren des sozialistischen Aufbaus, außerdem waren nach 1968 russische Soldaten in Bruntál stationiert, die dort eine eigene Militärstadt errichtet hatten.

BruntalBruntal Es ist kein Zufall, dass die Konferenz in Bruntál organisiert wird, denn in der Region sind mehr als 200 regierungsunabhängige Organisationen aktiv. Ihre Vertreter, Kommunalpolitiker, Experten im Bereich Bildungswesen, sowie Architekten und Unternehmer diskutieren - übrigens sehr informell - in vier kleineren Arbeitsgruppen. Die Gruppe, die sich Gemeinde-, Stadt- und Landschaftsbilder befasst, wird von Bürgermeister Navrátil geleitet. Er erinnerte daran, dass die früheren Bewohner der Region viel mehr Demut und Hochachtung gegenüber der Landschaft und der bereits existierenden historischen Architektur zeigten. Weiter sagte er:

"Nun kamen wir und bauten da diese grauen ekelhaften Plattenbauten, die sich auch auf ihre Bewohner negativ auswirken. Es gab hier einst herrliche Renaissancestraßen, Architekturstudenten hatten sich hier mit der schlesischen Architektur und dem Urbanismus vertraut gemacht."

BruntalBruntal Nach Worten des Bürgermeisters gibt es bislang kein Rezept, um an die guten Traditionen anzuknüpfen und die Region sensibel zu beleben. Auch aus diesem Grund sei - so der Bürgermeister - die Konferenz einberufen worden. Die Bildung spielt eine wichtige Rolle bei den Bemühungen um eine Rückkehr zu den Kulturtraditionen. Deswegen konzentriert sich eine der Arbeitsgruppen auf die Ausbildungsmöglichkeiten in der Region. Es wird mit der Errichtung einer Hochschule in Bruntál gerechnet. Thema der Beratungen der zwei weiteren Arbeitsgruppen sind die EU-Verfassung aus der Perspektive mitteleuropäischer NGO´s und schließlich die Widerherstellung des historischen, juristischen und kulturellen Bewusstseins der Bürger. Da Bruntál die erste Stadt auf dem historischen Gebiet Böhmens und Mährens war, das vom König Anfang des 13. Jahrhunderts die Stadtprivilegien verliehen bekam, können die Bewohner der Region auf eine reichhaltige Geschichte zurückblicken. Bruntál kann noch mit einer anderen einzigartigen Errungenschaft prahlen:

Die Stadt Bruntál ist offensichtlich die einzige Stadt in der Tschechischen Republik, die inzwischen über ihre eigenen Euro-Münzen verfügt. Der Euro von Bruntál wurde anlässlich des EU-Beitritts Tschechiens geprägt, und er hat eine tiefere symbolische Bedeutung, die mit Bruntáls Geschichte verbunden ist. Die reichen Silberressourcen dieser Region ermöglichten es unter anderem König Wenzel II. am Anfang des 14. Jahrhunderts die damals stärkste europäische Währung, den Prager Groschen, zu prägen. Die Nachfrage nach dem Bruntaler Euro ist - wie ich bisher beobachten konnte - enorm groß.

02-05-2004