Brünner Straße erinnert an das tschechische Universalgenie Jara Cimrman

Am 11.11. wurde im Brünner Stadtteil Reckovice mit einem Festakt die Einweihung der Jara-Cimrman-Straße (ulice Jary Cimrmana) begangen. Sie erinnert an den Forscher, Entdecker, Schriftsteller und Gynäkologen Jara Cimrman, zweifellos einer der vielseitigsten Geister der tschechischen Geschichte. An sich also kein ungewöhnlicher Akt - wenn sich nicht bis heute hartnäckige Zweifel daran hielten, ob Cimrman überhaupt je gelebt hat. Thomas Kirschner mit den Hintergründen.

Zdenek Sverak, Foto: CTKZdenek Sverak, Foto: CTK Solchem Argwohn tritt Zdenek Sverak entschieden entgegen. Und er muss es wissen: Als Schauspieler, Forscher und Biograph setzt er sich Sverak bereits seit den 60er Jahren für Cimrman ein, als er erstmals auf die Werke des bis dahin völlig vergessenen Multitalents aufmerksam wurde.

"Jara Cimrman ist eigentlich das tschechische Gegenstück zu Leonardo da Vinci, der allerdings in seinem Leben keine Anerkennung erhalten hat. Erst als wir ihn im Jahr 1967 entdeckt und einige seiner Theaterstücke aufgeführt haben, hat auch die Öffentlichkeit anerkannt, dass es sich um ein Genie handelt."

Sverak, in Deutschland besser bekannt als Hauptdarsteller in dem oskar-preisgekrönten Film Kolja, gründete auch das Jara-Cimrman-Theater in Prag, das mit seinen wissenschaftlichen Vortragsreihen zum Zentrum der Cimrman-Forschung wurde. Trotz intensiver Bemühungen liegen aber immer noch große Teile von Cimrmans Vita im Dunklen. Gesichert scheint heute immerhin, dass Jara Cimrmann zwischen 1856 und 1884 in Wien geboren wurde und bedeutende Leistungen in nahezu allen Bereichen der Wissenschaften und Künste erbracht hat. So geht der Panama-Kanal ebenso auf Cimrmans Entwürfe zurück wie die Reform des galizischen Schulwesens und die Einrichtung der modernen Geburtshilfe in den Hochalpen. Beinahe hätte Cimrman sogar als erster Mensch den Nordpol erreicht - nur sieben Meter fehlten noch, als er vor Eskimos fliehen musste. Trotzalledem blieb Cimrman bis heute eine angemessene öffentliche Anerkennung verweigert. Seine Leistungen gerieten in Vergessenheit oder wurden, wie bei der Erfindung der Glühbirne, seinen Nachfolgern zugeschrieben. Oliver Pospisil, Vizebürgermeister des Brünner Stadtteils Reckovice, sieht daher die Zeit gekommen, das tschechische Genie endlich durch eine Straßenbenennung entsprechend zu würdigen, zumal sich darin auch die Verbindung Cimrmans zu Reckovice spiegelt.

Zdenek Sverak  und Ladislav Filipi, der Bürgermeister des Brünner Stadtteils Reckovice, Foto: CTKZdenek Sverak und Ladislav Filipi, der Bürgermeister des Brünner Stadtteils Reckovice, Foto: CTK "Es steht außer Zweifel, dass Jara Cimrman sich in Reckovice aufgehalten hat, wir wissen sogar beinahe, wann das gewesen sein könnte, und darum ist es nur auf das höchste statthaft, den Aufenthalt einer solchen Geistesgröße des tschechischen Volkes auch durch die Benennung einer Straße zu würdigen. Es handelt sich um eine verhältnismäßig kurze Straße - kurz deshalb, weil auch Jara Cimrman nur kurz Reckovice war."

Beim Festakt erklang vor der Enthüllung des Straßenschildes die österreichische Kaiserhymne aus den Zeiten der Donaumonarchie. Pospisil betont, dass die Feiern ganz im Geiste Cimrmans verliefen - auch was den Termin betrifft.

"Wir haben uns dabei natürlich auch nach den Ideen von Jara Cimrman gerichtet, denn Cimrman sagte einmal, dass historische Dinge sich am besten an Daten ereignen sollten, die man sich dann auch gut merken kann. Den 11.11. um 11 Uhr - das können sich auch Vorschulkinder merken."

So bleibt zu wünschen, dass die Jara-Cimrman-Straße in Brünn mit dazu beiträgt, das immer noch verkannte Genie wiederzuentdecken, dessen Schicksal wie ein Vexierbild tschechischer Befindlichkeit erscheint. Allein schon das ist Beweis genug, dass es Jara Cimrman ganz bestimmt wirklich gegeben hat.