Bozena Nemcova starb vor 140 Jahren

21-01-2002

Von: Marketa Maurova

"Lang, lang ist´s her, dass ich zum letzten Mal in dieses liebe, friedliche Antlitz geblickt, die bleichen, runzligen Wangen geküsst und in die blauen Augen geschaut habe, aus denen soviel Güte und Liebe strahlte; lang ist´s her, dass mich ihre alten Hände zum letzten Male segneten."

Mit diesen Worten beginnt das bekannteste Buch der bekanntesten tschechischen Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Bozena Nemcova, Autorin des auch in Deutschland gelesenen Prosawerks "Babicka - Die Großmutter" starb vor genau 140 Jahren, am 21. Januar 1862. Weniger genau als den Sterbetag kennt man das Geburtsdatum der Barbora Panklova, wie Bozena Nemcova ursprünglich hieß. Seit Jahren gilt die Theorie, dass sie am 4. 2. 1820 in Wien, als Tochter eines tschechischen Dienstmädchens und des Herrenkutschers Johannes Pankel, geboren wurde. Die Hypothesen, sie sei Tochter einer Schwester von Fürstin Katharina von Sagan, Tochter des Fürsten Metternich und weitere wurden nie eindeutig nachgewiesen.

Ihre Kinderjahre verlebte Barbora im ostböhmischen Ratiborice, wo ihr Vater bei der Fürstin von Sagen diente. Von großer Bedeutung waren für sie damals der Einfluss ihrer Großmutter, der Weberin Magdalena Novotna, sowie der Aufenthalt in der Familie des Herrschaftsverwalters in Chvalkovice. Mittels der deutschen Bücher kam Barbora dort zum ersten Mal mit der Literatur in Kontakt. Im Alter von 17 Jahren heiratete sie den Finanzbeamten Josef Nemec, dessen Patriotismus eine große Rolle bei der Prägung von Nemcovas nationalem Bewusstsein spielte. Nemec wurde häufig verlegt, und so musste das junge Ehepaar fast jedes Jahr umziehen. 1842 fasste es Fuß in Prag. Nemcova lernte dort die Gesellschaft tschechischer Patrioten kennen und traf sich mit allen führenden Repräsentanten der tschechischen Kultur. In dieser Zeit nahm sie auch den Namen Bozena an und begann selbst zu schreiben.

Wegen seiner patriotischen Aktivitäten wurde das Ehepaar Nemec von der Polizei verfolgt. Die Lage verschlechterte sich besonders nach der Niederlage der Revolution von 1848. 1850 wurde Nemec nach Oberungarn geschickt und seine Frau zog mit den vier Kindern nach Prag um. Dort lebte sie in großer Not und war auf geringe Literaturhonorare sowie Unterstützung von Nemcovas Freunden angewiesen. 1861 reiste die Schriftstellerin nach Litomysl, um ihr Werk zu redigieren. Wegen ihrer Krankheit konnte sie die Arbeit nicht mehr vollenden. Sie starb am 21. Januar 1862 in Prag.

Während des Aufenthalts der Familie im westböhmischen Chodenland sowie der späteren Besuche in der Slowakei widmete sich Nemcova mit großem Einsatz der Sammlungstätigkeit und interessierte sich für das Leben des Volkes. Das gesammelte Material verarbeitete sie in ihren Märchensammlungen, als Autorin von ethnographischen Skizzen sowie Erzählungen. Folkloristisch geprägt war auch Nemcovas Publizistik, in der sie sich auch aktuellpolitischen Themen widmete. Bereits von ihren Zeitgenossen wurde Nemcovas Erzählkunst sehr hoch geschätzt. In der Erzählung "Die Großmutter" fand sie den berühmtesten Niederschlag.

21-01-2002