Boris-Nemzow-Zentrum für Russland-Studien in Prag

Die Karlsuniversität öffnet ein Zentrum für Russland-Studien. Es trägt den Namen eines russischen Oppositionspolitikers.

Boris-Nemzow-Zentrum (Foto: Katerina Ajzpurvit)Boris-Nemzow-Zentrum (Foto: Katerina Ajzpurvit) Am Boris-Nemzow-Zentrum will man sich vorrangig mit dem heutigen Russland und der russischen Gesellschaft beschäftigen. Dabei sollen Fachleute vernetzt werden, man möchte mit anderen akademischen Institutionen zusammenarbeiten und öffentliche Vorträge, Forschungsseminare und Konferenzen organisieren. Der Russist Marek Příhoda ist Ko-Leiter des Zentrums:

„Unser Interesse richtet sich in erster Linie auf Russland. Angesichts der russischen Außenpolitik müssen wir dabei aber auch ein Auge auf die Ukraine werfen. Wir planen eine Zusammenarbeit mit ukrainischen Forschungszentren. Und es soll das Gespräch auf Fragen der russisch-ukrainischen Beziehungen und den russischen Einfluss in der Ukraine gebracht werden.“

Schanna Nemzowa (Foto: Katerina Ajzpurvit)Schanna Nemzowa (Foto: Katerina Ajzpurvit) Die Forschungsstelle ist nach dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow benannt. Der Putin-Kritiker wurde vor drei Jahren in Moskau ermordet. Mit an der Wiege des Zentrums stand seine Tochter, die Journalistin Schanna Nemzowa. Prag sei der richtige Sitz für das Boris-Nemzow-Zentrum, da hier eine starke russischsprachige Gemeinde lebe, sagte sie bei der Eröffnung:

„Ich hoffe, dass dieses Zentrum eine wichtige Forschungsstelle und Plattform für Diskussionen wird. Ich wünsche mir, dass dort sowohl öffentliche Debatten geführt werden als auch der Unterricht seinen Platz hat.“

Ihr Traum sei, eine solche Stelle auch in Russland zu eröffnen, so Nemzowa. Weil in ihrer Heimat aber die Forschungsfreiheit nicht gewährleistet sei, komme dem Zentrum in Prag große Bedeutung zu. So könnten in der tschechischen Hauptstadt auch russische Akademiker arbeiten, die bei sich zu Hause in Schwierigkeiten geraten seien, so die Journalistin.

Martin Stropnický (Mitte). Foto: Katerina AjzpurvitMartin Stropnický (Mitte). Foto: Katerina Ajzpurvit Die Einrichtung des Zentrums wurde von Außenminister Martin Stropnický (Ano) unterstützt:

„Die tschechisch-russischen Beziehungen sind derzeit nicht ideal. Sie können es auch nicht sein, weil sich die Sicherheitslage in den zurückliegenden fünf Jahren deutlich verschlechtert hat.“

So der Minister anlässlich der Eröffnung. Tschechen und Russen stünden sich ansonsten aber sehr nah, unterstrich Stropnický:

„Ich würde mich freuen, wenn dank dem Akademischen Zentrum – trotz gewissen Spannungen auf internationalem Feld – wieder ein natürliches, enges beziehungsweise sogar inniges Verhältnis zwischen beiden Völkern gepflegt würde.“

Die Gründung des Zentrums wurde von der Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit mit Sitz in Deutschland gefördert.