Blutigster Anschlag in der Geschichte: Tschechien am Tag danach

25-02-2015

Nach dem Blutbad in Uherský Brod / Ungarisch Brod steht Tschechien unter Schock. Acht Menschen fielen am Dienstag einem Anschlag zum Opfer, ehe sich der 63-jährige Attentäter selbst richtete. Es war der schlimmste Anschlag seit Bestehen der Tschechischen Republik. Während die Polizei weiter ermittelt, trauern die Bewohner der südmährischen Kleinstadt um die Opfer. Und die Diskussion über das Waffenrecht in Tschechien hat bereits begonnen.

Foto: ČTKFoto: ČTK Hunderte Menschen kamen am Mittwochmorgen am Tatort vor dem Restaurant Družba in Uherský Brod zusammen. Sie legten Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Bei den acht Toten handelt es sich um eine Frau und sieben Männer im Alter von 27 bis 66 Jahren. Ein Kellner des Restaurants zeigte sich erschüttert:

„Ich kannte sie ja alle, denn sie kamen fast täglich ins Restaurant. Mir ist richtig schlecht, denn ich habe diese Menschen Tag für Tag bedient, und nun das. Es ist einfach schrecklich.“

Milan Chovanec (Foto: ČTK)Milan Chovanec (Foto: ČTK) In der Nacht zum Mittwoch hat die Polizei die Spurensicherung abgeschlossen. Innenminister Milan Chovanec (Sozialdemokraten) stellte am Morgen klar, dass durch den Polizeieinsatz noch Schlimmeres abgewendet werden konnte. Keine zehn Minuten nach dem Notruf sei die Polizei vor Ort gewesen:

„Nachdem die Polizei vor Ort eingetroffen war, war sie unter Beschuss des Täters. Das Areal wurde hermetisch abgeriegelt. Als das Sondereinsatzkommando schließlich das Restaurant gestürmt hat, beging der Täter Selbstmord. Die Polizei hat also verhindert, dass er aus dem Gebäude fliehen und sich mit zwei geladenen Waffen in der Stadt bewegen konnte.“

Patrik Kunčar (Foto: ČTK)Patrik Kunčar (Foto: ČTK) Eine 37-jährige Kellnerin wurde schwer verletzt. Nach Angaben des Krankenhauses in Uherské Hradiště ist sie inzwischen außer Lebensgefahr. Kritik an Polizei und Innenminister äußerte der Bürgermeister von Uherský Brod, Patrik Kunčar. Er sei erst viel zu spät über den Ernst der Lage informiert worden, sagte der christdemokratische Politiker:

„Wir haben uns bemüht, die Umgebung zu evakuieren, damit rund um das Restaurant nicht noch weitere Menschen verletzt werden. Weitere Informationen habe ich nur über die Medien bekommen. Ich denke, dass wenigstens der Bürgermeister genauestens informiert sein müsste. Ich bin doch derjenige, an den sich die Angehörigen wenden, und ich konnte ihnen keinerlei Informationen geben.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Der Innenminister wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete den Bürgermeister der 17.000-Einwohner-Stadt über Twitter als „geschwätzig“. Zu einem Zeitpunkt, als ein terroristischer Anschlag noch nicht ausgeschlossen werden konnte, habe er die Ermittlungen gefährdet. Inzwischen steht fest, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Der 63-Jährige galt als Sonderling. Dass er und auch seine Frau seit langem psychische Probleme hatten, war bekannt. Seit der Samtenen Revolution habe man ihn kaum mehr zu Gesicht bekommen, sagte ein Nachbar aus Uherský Brod der Zeitung „Lidové noviny“. Innenminister Chovanec:

Česká zbrojovka (Foto: ČT24)Česká zbrojovka (Foto: ČT24) „Er hatte einen Waffenschein. Die Morde hat er mit zwei Waffen begangen. Der Täter war eine Person, die in der Vergangenheit nicht ein einziges Mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Das heißt, er wurde noch nie polizeilich verfolgt oder verurteilt.“

Wie die Behörden am Mittwochvormittag mitteilten, waren die beiden Waffen rechtmäßig zugelassen. Die Debatte, ob das Waffenrecht in Tschechien wirklich streng genug ist, hat währenddessen schon begonnen. Roman Váňa, Chef des parlamentarischen Sicherheitsausschusses, sagte dem Server Echo24, dass der Besitz von Waffen in Tschechien ausreichend kontrolliert werde. Interessenten müssen sich ärztlich untersuchen lassen, ehe sie einen Waffenschein erhalten. Alle zehn Jahre erfolgt eine weitere Kontrolle. Kritiker glauben jedoch, dass viele Menschen auch ohne Zulassung allzu leicht an Waffen kommen. Grund dafür ist die Tradition der Jagd, die in Tschechien vor allem auf dem Land noch stark verankert ist. Die größte tschechische Waffenfabrik, Česká zbrojovka, hat ihren Stammsitz ausgerechnet in Uherský Brod.

25-02-2015